Zeitraum 2018-2023 / Erstellt von Prof. Dr. Stefan Razik
- Die Krankenhäuser
- Datenbasis
- Strategische Ausrichtung
- Betten
- Beschäftigte
- Entwicklung der Fallzahlen
- Entwicklung des Case-Mix Indexes
- Entwicklung des Gesamtumsatzes
- Entwicklung des Gesamtaufwands
- Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses
- Entwicklung der Rentabiltäten
- Entwicklung des wirtschaftlichen Eigenkapitals
- Entwicklung der Liquidität
- Ausblick
- Quellen
- Verfasser
- Disclaimer
Die Krankenhäuser
Das Evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende ist ein kirchliches Krankenhaus der Schwerpunktversorgung, dass von der „Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende gGmbH“ betrieben wird. Alleiniger Gesellschafter der „Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende gGmbH“ ist der eingetragene gemeinnützige Verein „Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende e.V.“

Die „Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende gGmbH“ ist gleichzeitig Träger des Göttinger Krankenhauses Neu-Mariahilf, das ebenfalls im Krankenhausplan des Landes Niedersachsen aufgenommen wurde. Die Einrichtung wurde in 2012 von einem anderen kirchlichen Träger erworben.

Da beide Plankrankenhäuser von einer Trägergesellschaft geführt werden, beziehen sich die weiteren Ausführungen auf beide Häuser.
Datenbasis
Im elektronischen Unternehmensregister sind die Jahresabschlüsse der Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende gGmbH für die Jahre 2018 bis 2023 hinterlegt.
Strategische Ausrichtung
Die „Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende gGmbH“ betreibt in Göttingen zwei Plankrankenhäuser mit sich ergänzenden Versorgungsangeboten und unterschiedlichen Bettenzahlen. Zum einen das Evangelische Krankenhaus in Göttingen-Weende mit 433 Betten und zum anderen das Krankenhaus Neu-Mariahilf mit 103 Betten. Ein dritter Standort in der Nähe von Göttingen wurde kürzlich aufgegeben; die Leistungen wurden auf das Evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende verlagert. Ob das Krankenhaus Neu-Mariahilf mit seiner geringen Bettenzahl angesichts der bevorstehenden Krankenhausreform zukunftsfähig ist, wird vom Träger zurückhaltend beurteilt. Bis dato gibt es jedoch keine Hinweise auf Pläne des Trägers, die auf eine Konsolidierung der Klinikstandorte schließen lassen.
Die „Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende gGmbH“ hat zudem seit einigen Jahren nicht unerhebliche Investitionen in die Gründung mehrerer Medizinischer Versorgungszentren geleistet, die das stationäre Versorsungsangebot ergänzen.
Betten
Das Evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende verfügte im Durchschnitt über 433, das Krankenhaus Neu-Mariahilf über 103 vollstationäre Betten. In Summe betreibt die „Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende gGmbH“ 537 vollstationäre Betten. Die Träger gehört somit zu den größeren Krankenhausbetreibern in der Versorgungsregion.
Beschäftigte
In beiden Krankenhäusern wurden im Durchschnitt 1.415 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Es liegen keine Daten vor, die einen Rückschluss auf die Beschäftigtenzahlen in den einzelnen Krankenhäusern ermöglichen.
Entwicklung der Fallzahlen
Für die Patientenzahlen gibt es für das Evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende und für das Krankenhaus Neu-Mariahilf nur eine Gesamtstatistik. Vor der Corona-Pandemie wurden in den beiden Krankenhäusern im Durchschnitt 24.733 Patienten pro Jahr behandelt.

Im Jahr 2020, dem ersten Jahr der Corona-Pandemie, reduzierte sich die DRG-Fallzahl um rund 14 % auf 21.136. Im Jahr 2021 stieg die Anzahl der stationär aufgenommenen Kassenpatienten leicht um rund 4 % an. Für das Jahr 2022 war ein wiederum ein Rückgang von circa 4 % festzustellen. Das Jahr 2023 ging mit einem Anstieg der stationären Aufnahmen um rund 7 % einher. Insgesamt betrachtet blieben die staionären Behandlungszahlen deutlich unter dem Niveau, welches vor der Corona-Pandemie realisiert wurde.
Entwicklung des Case-Mix Indexes
Die Angaben zum Case-Mix-Index (CMI) beziehen sich wiederum auf beide Krankenhäuser. Der CMI lag vor der DRG-Neugestaltung bei einem Wert von 1,152 in 2018 und 1,162 in 2019. Nach der DRG-Umstellung und dem pandemiebedingten Patientenrückgang hat sich der CMI im Jahr 2020 reduziert und betrug 0,963. Im Jahr 2021 lässt sich eine leichte Verminderung des CMI auf 0,93 feststellen. In den Jahren 2022 und 2023 betrug der CMI 0,922 bzw. 0,930.
Entwicklung des Gesamtumsatzes
Der Gesamtumsatz des Evangelischen Krankenhauses Göttingen-Weende und des Krankenhauses Neu-Mariahilf setzt sich im Wesentlichen aus den Erlösen aus Krankenhausleistungen zusammen. Die Erlöse aus ambulanten Leistungen des Krankenhauses sowie die Erlöse aus den Wahlleistungen und das Nutzungsentgelt der Ärzte haben eine eher untergeordnete Bedeutung.
Vor der Corona-Pandemie haben die beiden Krankenhäuser einen Gesamtumsatz von 112 Mio. € in 2018 und 116 Mio. € in 2019 realisiert.

Der pandemiebedingte Abwärtstrend bei den DRG-Fallzahlen und dem Fallschweregrad spiegelt sich nicht in der Entwicklung des Gesamtumsatzes wider. So ist der Umsatz von 2019 auf 2020 um rund 9 Mio. € bzw. um rund 7 % gewachsen. Wesentliche Ursachen hierfür sind die staatlichen Zuschüsse zur Kompensation der Folgen der Corona-Pandemie sowie ein gestiegener Landesbasisfallwert. Im Jahre 2021 blieb der Gesamtumsatz nahezu unverändert. Für die Jahre 2022 und 2023 lässt sich eine Umsatzsteigerung von 3,51 % bzw. 1,89 % feststellen. Die Gründe hierfür liegen sowohl in einem höheren Landesbasisfallwert und als auch in den gestiegenden Fallzahlen.
Entwicklung des Gesamtaufwands
Der Gesamtaufwand des Evangelischen Krankenhauses Göttingen-Weende und des Krankenhauses Neu-Mariahilf ist von 143 Mio. € im Jahr 2018 um rund 7 % auf 152 Mio. € im Jahr 2023 gestiegen.

Der Personalaufwand stellt einen der wesentlichen Kostenfaktoren dar, der von 71 Mio. € im Jahr 2018 um rund 27 % auf 90 Mio. € im Jahr 2023 angestiegen ist.

Nicht nur die gestiegenen Mitarbeiterzahlen, sondern auch die höhere Tarif-Entgelte haben das Wachstum des Personalaufwands beeinflusst.
Ein maßgeblicher Treiber des Anstiegs des Gesamtaufwands war auch der Materialaufwand, der in dem Zeitraum von 2018 bis 2023 um 23 % zugenommen hat. Wesentliche Ursachen hierfür sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie sowie die Folgen des Ukraine-Krieges, die den Materialeinsatz erheblich erhöht haben.

Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses
Zur Ermittlung des Jahresüberschusses wird der von den beiden Häusern erwirtschaftete Gesamtertrag dem Gesamtaufwand gegenüberstellt.

Im Berichtszeitraum wiesen beide Kliniken durchgängig positive Ergebnisse aus. Gleichwohl verzeichneten sie einen erheblichen Gewinnrückgang von mehr als 80 %.

Der maßgebliche Treiber dieser Entwicklung war das Betriebsergebnis. Dieses verringerte sich im Berichtszeitraum infolge deutlich gestiegener Personal- und Materialaufwendungen erheblich, verblieb jedoch durchgehend in der Gewinnzone.

Entwicklung der Rentabiltäten
Die Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses schlägt sich in den Renditekennzahler nieder. Sowohl die betriebliche Umsatzrendite als auch Eigenkapitalrentabilität waren in dem Berichtszeitraum durchweg positiv.
Die betriebliche Umsatzrendite setzt das Betriebsergebnis in das Verhältnis zum Umsatz des Klinikums. Diese Kennzahl ist als ein Indikator der betriebswirtschaftlichen Effizienz anzusehen.

Vor der Corona-Pandemie erzielten beide Häuser im Vergleich zu anderen Einrichtungen eine überdurchschnittlich hohe betriebliche Umsatzrendite. Aufgrund der bereits dargestellten schwierigen Rahmenbedingungen ist diese jedoch signifikant zurückgegangen.
Die Eigenkapitalrentabilität setzt den Jahresüberschuss in Verhältnis zum Eigenkapital. Diese Kennzahl misst die Verzinsung des investierten Eigenkapitals.

Beide Häuser haben zusammen eine durchweg positive Verzinsung realisiert, die jedoch einen erheblichen Rückgang unterlag. Die Renditen der Jahre 2018-2020 gehören zu den Spitzenwerten, die Versorgungsregion realisert worden sind.
Entwicklung des wirtschaftlichen Eigenkapitals
Das wirtschaftliche Eigenkapital besteht neben dem bilanziellen Eigenkapital anteilig aus dem Sonderposten aus Zuwendungen zur Finanzierung des Sachanlagevermögens. Dieser spiegelt die öffentlichen Mittel wider, die Krankenhäusern zur Vornahme von Investitionen gewährt werden. Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote setzt das wirtschaftliche Eigenkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme.

Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote unterlag im Berichtszeitraum leichten Schwankungen. Sie betrug im Durchschnitt 38 % und liegt leicht oberhalb der Idealquote von 30 %.
Entwicklung der Liquidität
Bei Betrachtung der Liquiditätsentwicklung, gemessen an der Liquidität 3. Grades, fällt auf, dass diese im Berichtszeitraum erheblichen Schwankungen unterlag, aber sich deutlich immer oberhalb des Mindestwertes von 100 % bewegte. Die Zahlungsfähig ist somit nicht gefährdet.

Ausblick
Der Insolvenzrisikowert misst das Risiko, dass ein Krankenhaus in den nächsten zwei Jahren in die Insolvenz geht. In die Berechnung des Insolvenzrisikowertes fließen Rendite- und Liquiditäts- und Stabilitätskennzahlen ein. Ein Risikowert unter 2 kennzeichnet eine hohe Insolvenzgefahr, eine akute Gefährdung der Einrichtung. Bei einem Score zwischen 2 und 3 ist das Krankenhaus zwar nicht akut insolvenzgefährdet, jedoch von finanziellen Schwierigkeiten bedroht. Ein Score über 3 kennzeichnet ein finanziell solides Krankenhaus.
Die „Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende gGmbH“ sieht sich mit einem geringem Insolvenzrisiko konfrontiert. Der Insolvenzrisikowert sich im grünen Bereich und hebt sich deutlich von anderen Häusern in der Region ab.

Die wesentlichen Gründe hierfür liegen einerseits in der stabilen Eigenkapitalausstattung und andererseits in den hohen Liquiditätsreserven. Ebenso sind die positiven Renditen zu beachten.
Angesichts der bevorstehenden Krankenhausreform ist es jedoch fraglich, ob die „Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende gGmbH“ den Betrieb des Krankenhaus Neu-Mariahilf aufrechterhalten kann.
Quellen
Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende gGmbH (2018): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2018 bis zum 31.12. 2018.
Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende gGmbH (2019): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2019 bis zum 31.12. 2019.
Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende gGmbH (2020): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2020 bis zum 31.12. 2020.
Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende gGmbH (2021): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2021 bis zum 31.12. 2021.
Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende gGmbH (2022): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2022 bis zum 31.12. 2022.
Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2023): Niedersächsischer Krankenhausplan 2023.
Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2024): Planbettenübersicht 2024.
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Erstellt von Prof. Dr. Stefan Razik / letzte Aktualisierung am 03.10.2025
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