Krankenhaus-Finanzreport Niedersachsen: Städtisches Klinikum Lüneburg

2018-2022

  1. Das Klinikum
  2. Strategische Ausrichtung
  3. Betten
  4. Mitarbeiter
  5. Entwicklung der stationären Fallzahlen
  6. Entwicklung des Case-Mix-Indexes
  7. Entwicklung des Gesamtumsatzes
  8. Entwicklung des Gesamtaufwands
  9. Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses
  10. Entwicklung der Renditen
  11. Entwicklung des wirtschaftlichen Eigenkapitals
  12. Entwicklung der Liquidität
  13. Ausblick
  14. Quellen
  15. Verfasser

Das Klinikum

Das Städtische Klinikum Lüneburg ist ein Krankenhaus der Schwerpunktversorgung. Das Klinikum wird von der Städtische Klinikum Lüneburg gGmbH betrieben. Die Städtische Klinikum Lüneburg gGmbH ist eine Tochtergesellschaft der Gesundheitsholding Lüneburg GmbH, einem Verbund von Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen sowie weiteren Gesundheitseinrichtungen in der Region Lüneburg. Alleiniger Gesellschafter der Gesundheitsholding Lüneburg GmbH ist die Stadt Lüneburg.

Strategische Ausrichtung

Das Städtische Klinikum Lüneburg strebt an, sich als attraktiver Gesundheitsanbieter zu etablieren. Der Aufbau medizinischer Fachzentren sowie die Anschaffung moderner Ausstattungen sollen die überregionale Bedeutung des Hauses unterstreichen. Zudem ist eine enge Zusammenarbeit mit den anderen Unternehmen der Gesundheitsholding Lüneburg geplant, um Synergien effizient zu nutzen. So wurde die die Orthoklinik Lüneburg zum 01.01. 2023 in das Klinikum integriert.

Betten

Das Städtische Klinikum Lüneburg verfügte innerhalb des Berichtszeitraums durchschnittlich über 520 vollstationäre Betten.

Mitarbeiter

Im Mittel beschäftigte das Klinikum innerhalb des Berichtszeitraums 1.358 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Entwicklung der stationären Fallzahlen

Vor der Corona-Pandemie war die Anzahl der stationär aufgenommenen Patienten weitgehend stabil. In den Jahren 2018 und 2019 wurden im Mittel 29.973 Patienten behandelt.

Im ersten Jahr der Corona-Pandemie reduzierte sich die stationäre Fallzahl um rund 7,8 %. Im Jahre 2021 stieg die Anzahl der stationär aufgenommenen Patienten leicht um rund 2,3 % an. Das Jahr 2022 war wiederrum mit einem Rückgang der stationären Fallzahlen um rund 4,5% verbunden. Wesentliche Ursache für diesem Rückgang waren krankheitsbedingte Personalausfälle, die eine höhere Auslastung des Klinikums verhindert haben.

Entwicklung des Case-Mix-Indexes

Der Case-Mix-Index (CMI) lag vor der DRG-Neugestaltung im Jahr 2018 bei 1,072. Im Jahr 2019 betrug er 1,090. Aufgrund der DRG-Umstellung und des pandemiebedingten Patientenrückgangs verringerte sich der CMI im Jahr 2020 auf 0,900. Im Jahr 2021 setzte sich der Rückgang fort, und der CMI sank auf 0,866. Im Jahr 2022 stieg der CMI leicht auf 0,891 an.

Entwicklung des Gesamtumsatzes

Der Gesamtumsatz des Städtischen Klinikums Lüneburg setzt sich zum größten Teil aus den Erlösen aus Krankenhausleistungen zusammen. Die Erlöse aus ambulanten Leistungen des Krankenhauses sowie die Erlöse aus den Wahlleistungen und das Nutzungsentgelt der Ärzte haben eine eher untergeordnete Bedeutung.

Vor der Corona-Pandemie erzielte das Städtische Klinikum Lüneburg einen Gesamtumsatz von 147 Mio. € im Jahr 2018 und 158 Mio. € im Jahr 2019. Der pandemiebedingte Abwärtstrend bei den DRG-Fallzahlen und des Fallschweregrads spiegelt sich nicht in der Umsatzentwicklung wider. Der Umsatz stieg von 2019 auf 2022 um 11 Mio. €.

Das Umsatzwachstum wird im Wesentlichen durch die Erlöse aus Krankenhausleistungen getragen. Diese wiederrum wurden stark durch die staatlichen Zuschüsse zur Kompensation der Folgen der Corona-Pandemie sowie durch einen höheren Landesbasisfallwert beeinflusst.

Entwicklung des Gesamtaufwands

Der Gesamtaufwand des Städtischen Klinikums Lüneburg ist von 161 Mio. € im Jahr 2018 um rund 16,59 % auf 187 Mio. € im Jahr 2022 angewachsen.

Ein wesentlicher Kostentreiber stellt zunächst der Personalaufwand dar.

Der Personalaufwand ist in dem Berichtszeitraum von 80 Mio. € im Jahr 2018 um rund 18,22 % auf 94 Mio. € im Jahr 2022 gestiegen. Diese Entwicklung ist einerseits auf die gestiegene Mitarbeiterzahl und andererseits auf die höheren Tarifentgelte zurückzuführen. Im Vergleich zu anderen Kliniken mit gleicher Bettenzahl hat das Städtische Klinikum Lüneburg eine niedrige Personalaufwandsquote.

Beim Materialaufwand lässt sich eine ähnliche Entwicklung wie beim Personalaufwand feststellen. So ist der Materialaufwand von 2018 auf 2022 um rund 21,28 % angestiegen.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges haben den Materialeinsatz deutlich verteuert. Zudem hat das Klinikum im Vergleich zu anderen Einrichtungen eine überdurchschnittlich hohe Personalintensität.

Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses

Zur Ermittlung des Jahresüberschusses wird der von dem Städtischen Klinikum Lüneburg erwirtschaftete Gesamtertrag dem Gesamtaufwand gegenüberstellt.

Hierbei ist wird deutlich, dass das Klinikum überwiegend Gewinne realisiert hat und erst im Jahr 2022 in den Verlustbereich gekommen ist. Bemerkenswert ist aber der erhebliche Rückgang des Jahresüberschusses von rund 145 % innerhalb des Berichtszeitraums.

Der Jahresüberschuss wird zum größten Teil durch das Betriebsergebnis generiert. Lediglich im Jahr 2018 hat eine Steuererstattung einen höheren Jahresüberschuss generiert.

Hier hat sich gezeigt, dass die massiven Steigerungen der Aufwendungen im Personal- und im Materialbereich nicht durch ein entsprechendes Umsatzwachstum kompensiert werden konnten. Zudem haben im Jahr 2022 Personalengpässe eine höhere Auslastung des Klinikums verhindert.

Entwicklung der Renditen

Die betriebliche Umsatzrendite setzt das Betriebsergebnis in das Verhältnis zum Umsatz des Klinikums. Diese Kennzahl ist als ein Indikator der betriebswirtschaftlichen Effizienz anzusehen.

Die betriebliche Umsatzrendite ist innerhalb des Berichtszeitraumes erheblich zurückgegangen. Sie hat sich von 2,23 % im Jahr 2018 um 3,15 % auf -0,93 % im Jahr 2022 reduziert. Der Median der betrieblichen Umsatzrendite betrug 0,84 % und liegt unter dem Zentralwert der in der Versorgungsregion realisiert wurde.

Die Eigenkapitalrentabilität setzt den Jahresüberschuss in Verhältnis zum Eigenkapital. Diese Kennzahl misst die Verzinsung des investierten Eigenkapitals.

Wie auch die betriebliche Umsatzrendite unterlag die Eigenkapitalrentabilität einem erheblichen Rückgang. Sie hat sich innerhalb des Berichtszeitraum um 7,41 % reduziert. Der Zentralwert der Eigenkapitalrentabilität betrug 1,15 % und lag damit unter dem Median, der in der Versorgungsregion erzielt wurde.

Entwicklung des wirtschaftlichen Eigenkapitals

Das wirtschaftliche Eigenkapital besteht neben dem bilanziellen Eigenkapital anteilig aus dem Sonderposten aus Zuwendungen zur Finanzierung des Sachanlagevermögens. Dieser spiegelt die öffentlichen Mittel wider, die Krankenhäusern zur Vornahme von Investitionen gewährt werden. Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote setzt das wirtschaftliche Eigenkapital ins Verhältnis zu Bilanzsumme.

Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote war innerhalb des Berichtszeitraums in einem sehr guten Bereich. Sie betrug im Mittel 52 %, ein Wert, der sich deutlich positiv von anderen Kliniken abhebt.

Entwicklung der Liquidität

Die Liquiditätslage des Städtischen Klinikums Lüneburg unterlag zwar nicht unerheblichen Schwankungen, die Liquidität 3. Grades bewegte sich jedoch deutlich oberhalb des Mindestwertes von 100 %.

Ausblick

Der Insolvenzrisikowert misst das Risiko, dass ein Krankenhaus in den nächsten zwei Jahren in die Insolvenz geht. In die Berechnung des Insolvenzrisikowertes fließen Rendite-, Liquiditäts- und Stabilitätskennzahlen ein. Ein Risikowert unter 2 kennzeichnet eine hohe Insolvenzgefahr, eine akute Gefährdung der Einrichtung. Bei einem Score zwischen 2 und 3 ist das Krankenhaus zwar nicht akut insolvenzgefährdet, jedoch von finanziellen Schwierigkeiten bedroht. Ein Score über 3 kennzeichnet ein finanziell solides Krankenhaus.

Das Städtische Klinikum Lüneburg sieht sich mit einem niedrigen Insolvenzrisiko konfrontiert. Wesentliche Ursachen hierfür sind die sehr gute wirtschaftliche Eigenkapitalquote und die mehr als angemessene Liquiditätsausstattung. Die Ertragslage des Klinikums hat sich jedoch innerhalb des Berichtszeitraums deutlich verschlechtert. Das Städtische Klinikum Lüneburg sollte einerseits Maßnahmen zur Optimierung des Materialeinsatzes einleiten. Andererseits sollte die Personalbasis gestärkt werden, so dass in Zukunft die Bettenbelegung des Klinikums nicht durch Personalausfälle gemindert wird.

Quellen

Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2023): Niedersächsischer Krankenhausplan 2023.

Städtisches Klinikum Lüneburg gGmbH (2018): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2018 bis zum 31.12. 2018.

Städtisches Klinikum Lüneburg gGmbH (2019): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2019 bis zum 31.12. 2019.

Städtisches Klinikum Lüneburg gGmbH (2020): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2020 bis zum 31.12. 2020.

Städtisches Klinikum Lüneburg gGmbH (2021): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2021 bis zum 31.12. 2021.

Städtisches Klinikum Lüneburg gGmbH (2022): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2022 bis zum 31.12. 2022.

Verfasser

Erstellt von Prof. Dr. Stefan Razik

Alle Rechte beim Verfasser

Letzte Aktualisierung 24.01. 2025

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