Krankenhaus-Finanzreport Niedersachsen: Klinik Bassum, Klinik Diepholz, Klinik Sulingen

  1. Die Kliniken
  2. Trägerstruktur und Datenbasis
  3. Strategische Ausrichtung
  4. Betten
  5. Mitarbeiter
  6. Entwicklung der Fallzahlen
  7. Entwicklung des Case-Mix-Indexes
  8. Entwicklung des Gesamtunsatzes
  9. Entwicklung des Gesamtaufwands
  10. Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses
  11. Entwicklung der Rentabilitäten
  12. Entwicklung des wirtschaftlichen Eigenkapitals
  13. Entwicklung der Liquidität
  14. Ausblick
  15. Quellen
  16. Verfasser
  17. Disclaimer

Die Kliniken

Die Klinik Bassum ist ein kommunales Krankenhaus der Regelversorgung mit Sitz in Bassum.

Die Klinik Bassum verfügt über ein Bettenangebot in den folgenden medizischen Fachabteilungen:

Medizinische FachabteilungAnzahl Betten
Chirurgie33
Innere Medizin66
Plastische Chirurgie18
Psychiatrie110
Psychosomatik20

Die Klinik Diepholz ist ein kommunales Krankenhaus der Grundversorgung mit Sitz in Diepholz.

Das Krankenhaus verfügt über ein Bettenangebot in den folgenden medizinischen Fachabteilungen:

Medizinische FachabteilungAnzahl Betten
Chirurgie30
Innere Medizin66
Urologie16
Frauenheilkunde3
Augenheilkunde1

Die Klinik Sulingen ist eine kommunales Krankenhaus der Grundversorgung mit Sitz in Sulingen.

Das Krankenhaus verfügt über die folgenden Planbetten:

Medizinische FachabteilungAnzahl Betten
Chirurgie50
Orthopädie21
Innere Medizin56

Trägerstruktur und Datenbasis

Die Kliniken Bassum, Diepholz und Sulingen sind im Krankenhausplan des Landes Niedersachsen aufgenommen. Sie besitzen jedoch keine eigene Rechtspersönlichkeit. Rechtlicher Träger dieser Kliniken ist die Kliniken Landkreis Diepholz gGmbH, die sich zu 100 Prozent im Besitz des Landkreises Diepholzes befindet.

Die Jahresabschlüsse und Lageberichte dieser Gesellschaft sind im elektronischen Unternehmensregister für Jahre von 2018 bis 2024 einsehbar. Es liegen daher nur begrenzt Daten zur Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der einzelnen Kliniken im Landkreis Diepholz vor.

Strategische Ausrichtung

Die Kliniken Landkreis Diepholz gGmbH steht vor der Herausforderung, dass das stationäre Versorgungsangebot im Landkreis Diepholz auf drei vergleichsweise kleine Standorte verteilt ist. Hinzu kommt, dass sich die Leistungsangebote der drei Kliniken im somatischen Bereich überschneiden. Die Klinik Bassum hat jedoch mit dem Zentrum für psychische Gesundheit einen zusätzlichen Schwerpunkt in der psychiatrischen Versorgung. Um eine qualitätsgesicherte und kosteneffiziente Versorgung sicherzustellen, ist eine Bündelung der Bettenkapazitäten an einem zentralen Standort zwingend erforderlich. Die Kliniken Landkreis Diepholz gGmbH hat diese Problematik erkannt und den Neubau eines Zentralklinikums initiiert, dessen Fertigstellung für das Jahr 2028 geplant ist.

Betten

Die Klinik Bassum verfügte durchschnittlich über 275 Betten, von denen etwa die Hälfte dem Zentrum für psychische Gesundheit zugeordnet war. Die Klinik Sulingen verfügte im Berichtszeitraum über 128 Betten, die Klinik Diepholz über 118 somatische Betten. Die Gesamtbettenzahl betrug im Durchschnitt 521.

Mitarbeiter

Die Zahl der Mitarbeitenden der Kliniken Diepholz gGmbH ist von 1.137 im Jahr 2018 um rund 8 Prozent auf 1.233 im Jahr 2024 angestiegen. Im Durchschnitt waren 1.163 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.

Entwicklung der Fallzahlen

Vor der Corona-Pandemie wurden in den drei Kliniken des Landeskreises Diepholz im Mittel 18.562 Patienten stationär behandelt. Hiervon entfallen circa 6 Prozent auf das Zentrum für psychische Gesundheit an der Klinik Bassum.

Bedingt durch die Folgen der Corona-Pandemie gingen die Behandlungszahlen im Jahr 2020 deutlich zurück. Von 2019 auf 2020 sank die Zahl der stationär aufgenommenen Patientinnen und Patienten um 21 Prozent. In den Jahren 2021 und 2022 stiegen die stationären Fallzahlen wieder an – um 7 Prozent bzw. 2 Prozent. Im Jahr 2023 blieb die Zahl der Aufnahmen nahezu unverändert. Für 2024 zeigt sich erneut ein Zuwachs der stationären Fälle um rund 3 Prozent. Die bislang höchste Zahl stationärer Aufnahmen – 18.788 Fälle im Jahr 2018 – wurde jedoch weiterhin nicht erreicht.

Entwicklung des Case-Mix-Indexes

Die Angaben zum Case-Mix-Index (CMI) beziehen sich auf die somatischen Behandlungen der Kliniken Bassum, Sulingen und Diepholz.

In den Jahren 2018 und 2019 lag der CMI bei 0,913 bzw. 0,923. Infolge der DRG-Systemumstellung und des pandemiebedingten Patientenrückgangs sank der CMI im Jahr 2020 auf 0,713. In den Folgejahren erholte er sich schrittweise: 2021 stieg er auf 0,769, 2022 auf 0,791 und 2023 weiter auf 0,805. Im Jahr 2024 ging der CMI leicht zurück auf 0,778.

Entwicklung des Gesamtunsatzes

Der Gesamtumsatz der Kliniken Sulingen und Diepholz setzt sich überwiegend aus Erlösen aus Krankenhausleistungen zusammen, die auf Basis des DRG-Katalogs abgerechnet werden. Erlöse aus ambulanten Leistungen, Wahlleistungen sowie Nutzungsentgelte der Ärzte spielen demgegenüber eine untergeordnete Rolle. Für die Klinik Bassum ist zu beachten, dass dort neben den DRG-Entgelten auch Leistungen für psychiatrische Patientinnen und Patienten auf Basis von PEPP-Entgelten abgerechnet werden.

Der Gesamtumsatz stieg von 81 Mio. € im Jahr 2018 um rund 26 Prozent auf 101 Mio. € im Jahr 2024. Der Gesamtumsatz verteilt sich zu 27 Prozent bzw. zu 30 Prozent auf die Kliniken Diepholz und Sulingen. Die Klinik Bassum hat mit dem Zentrum für psychische Gesundheit mit 43 Prozent den höchsten Anteil am Gesamtumsatz.

Bemerkenswert ist, dass sich der pandemiebedingte Rückgang der Fallzahlen nicht in der Umsatzentwicklung widerspiegelte. Dies ist vor allem auf staatliche Zuschüsse zur Kompensation der Folgen der Corona-Pandemie zurückzuführen.Zudem wurde der Landesbasisfallwert im Berichtszeitraum mehrfach angehoben. Ebenso sind die gestiegenen Patientenzahlen zu beachten.

Entwicklung des Gesamtaufwands

Der Gesamtaufwand der Kliniken Landkreises Diepholz gGmbH ist von 91 Mio. € im Jahr 2018 um rund 43 Prozent auf 129 Mio. € im Jahr 2024 angewachsen.

Der Personalaufwand stellt einen der wesentlichen Kostenfaktoren dar. Bedingt durch einen Anstieg der Beschäftigtenzahl und durch höhere Tarif-Entgelte ist der Personalaufwand von 56 Mio. € im Jahr 2018 um rund 40 Prozent auf 78 Mio. € im Jahr 2024 angewachsen.

Ein maßgeblicher Treiber des Anstiegs des Gesamtaufwands war auch der Materialaufwand, der in dem Zeitraum von 2018 bis 2024 um rund 32 Prozent zugenommen hat.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges haben den Materialeinsatz deutlich erhöht.

Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses

Zur Ermittlung des Jahresüberschusses wird der erwirtschaftete Gesamtertrag dem Gesamtaufwand gegenübergestellt.

Der Jahresüberschuss entwickelte sich im Berichtszeitraum uneinheitlich. Bereits vor der Corona-Pandemie operierte die Kliniken Landkreis Diepholz gGmbH in der Verlustzone. Im Jahr 2020 stieg der Jahresüberschuss infolge pandemiebedingter Sondereffekte deutlich um über 130 Prozent; mit einem Ergebnis von 888 TEUR wurde damit das beste Resultat des gesamten Betrachtungszeitraums erzielt. Ab dem Geschäftsjahr 2021 verschlechterte sich die Ertragslage jedoch spürbar. Nach einem verhältnismäßig geringen Verlust von 37 TEUR im Jahr 2021 weitete sich das Defizit im Jahr 2022 auf 560 TEUR aus. In den Folgejahren verlangsamte sich dieser Abwärtstrend: Die Verluste gingen auf 204 TEUR im Jahr 2023 und weiter auf 97 TEUR im Jahr 2024 zurück.

Das Betriebsergebnis war ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung und verlief weitgehend parallel zum Jahresüberschuss. Nach deutlichen Betriebsverlusten in den Jahren 2018 und 2019 konnte im Jahr 2020 infolge von Sondereffekten erstmals ein positives Betriebsergebnis erzielt werden. Ab 2021 trübte sich die wirtschaftliche Lage jedoch merklich ein: Der Betriebsgewinn brach spürbar ein, und im Jahr 2022 wurde ein operativer Verlust von 398 TEUR ausgewiesen. Obwohl sich die Lage im Jahr 2023 vorübergehend erholte, schloss das Geschäftsjahr 2024 erneut mit einem negativen Betriebsergebnis ab. Der Kliniken Landkreis Diepholz gGmbH gelang es dabei nur in begrenztem Maße, den erheblichen Kostenanstieg im Personal- und Materialbereich zu kompensieren.

Entwicklung der Rentabilitäten

Die Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses spiegelt sich zunächst in der betrieblichen Umsatzrendite wider. Diese Kennzahl setzt das Betriebsergebnis ins Verhältnis zum Umsatz und dient somit als Indikator für die betriebswirtschaftliche Effizienz.

Analog zur Entwicklung des Betriebsergebnisses verlief auch die betriebliche Umsatzrendite uneinheitlich. Nach deutlich negativen Werten in den Jahren 2018 und 2019 stieg die betriebliche Umsatzrendite im Jahr 2020 um über 4 Prozentpunkte und erreichte mit rund 1,12 Prozent den höchsten Wert des Analysezeitraums. Ab 2021 war jedoch ein kontinuierlicher Rückgang zu verzeichnen. Nach einer leichten Erholung im Jahr 2023 verringerte sich die betriebliche Umsatzrendite bis zum Jahr 2024 insgesamt um über 1,19 Prozentpunkte. Diese Entwicklung verdeutlicht die angespannte Ertragslage, die sich bereits im Betriebsergebnis widergespiegelt hatte.

Die Eigenkapitalrentabilität setzt den Jahresüberschuss in Verhältnis zum Eigenkapital. Diese Kennzahl misst die Verzinsung des investierten Eigenkapitals.

Die Eigenkapitalrentabilität entwickelte sich im Betrachtungszeitraum insgesamt volatil. Nach negativen Renditen in den Jahren 2018 und 2019 verzeichnete die Kennzahl bis zum Jahr 2020 einen deutlichen Anstieg um mehr als zehn Prozentpunkte. Ab dem Jahr 2021 verschlechterte sich die Ertragslage erneut, sodass die Eigenkapitalrentabilität bis zum Jahr 2024 um rund 3 Prozentpunkte zurückging.

Entwicklung des wirtschaftlichen Eigenkapitals

Das wirtschaftliche Eigenkapital besteht neben dem bilanziellen Eigenkapital anteilig aus dem Sonderposten aus Zuwendungen zur Finanzierung des Sachanlagevermögens. Dieser spiegelt die öffentlichen Mittel wider, die Krankenhäusern zur Vornahme von Investitionen gewährt werden. Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote setzt das wirtschaftliche Eigenkapital ins Verhältnis zu Bilanzsumme.

Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote war in dem Zeitraum von 2018 bis 2023 nur leichten Schwankungen unterworfen und blieb stets über dem Idealwert von 30 Prozent. Im Jahr 2024 kam es aufgrund der Verbuchung der Fördermittel für das Neubauprojekt zu einem deutlichen Rückgang um über 28 Prozentpunkte.

Entwicklung der Liquidität

Die Zahlungsfähigkeit soll anhand der Liquidität 3. Grades beurteilt werden. Diese Kennzahl zeigt, inwieweit ein Krankenhaus seine kurzfristigen Verbindlichkeiten mit dem gesamten Umlaufvermögen decken kann. Grundsätzlich sollte die Liquidität 3. Grades einen Wert von mindestens 100 % erreichen, um eine ausreichende Zahlungsfähigkeit sicherzustellen.

Die Liquidität 3. Grades unterlag innerhalb des Berichtzeitraums leichten Schwankungen. Sie blieb jedoch stets über dem Referenzwert.

Ausblick

Der Insolvenzrisikowert misst das Risiko, dass ein Krankenhaus in den nächsten zwei Jahren in die Insolvenz geht. In die Berechnung des Insolvenzrisikowertes fließen Rendite- und Liquiditäts- und Stabilitätskennzahlen ein. Ein Risikowert unter 2 kennzeichnet eine hohe Insolvenzgefahr, eine akute Gefährdung der Einrichtung. Bei einem Score zwischen 2 und 3 ist das Krankenhaus zwar nicht akut insolvenzgefährdet, jedoch von finanziellen Schwierigkeiten bedroht. Ein Score über 3 kennzeichnet ein finanziell solides Krankenhaus.

Die langfristige Entwicklung der Kliniken Landkreis Diepholz gGmbH steht auf einer unsicherer Grundlage. Eine nachhaltige Zukunft der Gesellschaft erfordert zwingend die Aufgabe des bisherigen Konzepts mit drei Klinikstandorten. Mit dem Bau eines Zentralklinikums wurde bereits ein richtungsweisender Schritt eingeleitet, dessen Erfolg sich jedoch erst in den kommenden Jahren vollständig entfalten wird.

Quellen

Kliniken Landkreis Diepholz gGmbH (2018): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2018 bis zum 31.12. 2018.

Kliniken Landkreis Diepholz gGmbH (2019): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2019 bis zum 31.12. 2019.

Kliniken Landkreis Diepholz gGmbH (2020): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2020 bis zum 31.12. 2020.

Kliniken Landkreis Diepholz gGmbH (2021): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2021 bis zum 31.12. 2021.

Kliniken Landkreis Diepholz gGmbH (2022): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2022 bis zum 31.12. 2022.

Kliniken Landkreis Diepholz gGmbH (2023): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2023 bis zum 31.12. 2023.

Kliniken Landkreis Diepholz gGmbH (2024): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2024 bis zum 31.12. 2024.

Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2023): Niedersächsischer Krankenhausplan 2023.

Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2024): Planbettenübersicht 2024.

Verfasser

Erstellt von Prof. Stefan Razik / Alle Rechte beim Verfasser

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Letzte Aktualisierung 18.05.20226

Disclaimer

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