Krankenhaus-Finanzreport Niedersachsen: Allgemeines Krankenhaus Celle

2021-2024

  1. Das Krankenhaus
  2. Trägerstruktur und Datenbasis
  3. Strategische Ausrichtung
  4. Betten
  5. Beschäftigte
  6. Entwicklung der stationären Fallzahlen
  7. Entwicklung des Case-Mix-Indexes
  8. Entwicklung des Gesamtumsatzes
  9. Entwicklung des Gesamtaufwands
  10. Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses
  11. Entwicklung der Rentabilitäten
  12. Entwicklung des wirtschaftlichen Eigenkapitals
  13. Entwicklung der Liquidität
  14. Ausblick
  15. Quellen
  16. Verfasser
  17. Disclaimer

Das Krankenhaus

Das Allgemeine Krankenhaus Celle (AKH Celle) ist ein kommunales Krankenhaus der Schwerpunktversorgung. Die Einrichtung verfügt über ein Leistungsangebot u.a. in den Fachabteilungen

  • Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie
  • Anästhesie und Intensivmedizin
  • Gastroenterologie
  • Gefäßchirurgie & Gefäßzentrum
  • Geriatrie
  • Gynäkologie & Geburtshilfe
  • Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie
  • Kardiologie
  • Kinder- und Jugendmedizin
  • Neurologie
  • Neurotraumatologie
  • Orthopädie
  • Unfallchirurgie
  • Urologie, Kinderurologie

Trägerstruktur und Datenbasis

Rechtlicher Träger des AKH Celle ist die Stiftung Allgemeines Krankenhaus Celle.

Die Stiftung Allgemeines Krankenhaus Celle betrieb bis zum Frühjahr 2020 neben dem AKH Celle auch das Klinikum Peine. Aufgrund massiver wirtschaftlicher Schwierigkeiten musste das Klinikum Peine im Jahr 2020 Insolvenz anmelden. Nach Abschluss des Verfahrens erfolgte die Re-Kommunalisierung, sodass sich das Klinikum Peine nun wieder in der Trägerschaft des Landkreises Peine befindet.

Von der Stiftung Allgemeines Krankenhaus Celle liegen im elektronischen Unternehmensregister die Konzernabschlüsse für die Jahre 2018 bis 2023 vor. Aufgrund der Insolvenz des Klinikums Peine sollen im weiteren Verlauf die Entwicklungen der Jahre 2021 bis 2024 näher betrachtet werden.

Strategische Ausrichtung

Das AKH Celle versteht sich als zentraler Gesundheitsdienstleister für den Landkreis Celle und die angrenzende Region. Neben dem stationären Versorgungsangebot betreibt das Krankenhaus mehrere Medizinische Versorgungszentren sowie ein Hospiz. Aufgrund der veralteten baulichen Infrastruktur hat das AKH Celle umfassende Bau- und Modernisierungsmaßnahmen geplant und zum Teil bereits umgesetzt.

Betten

Das AKH Celle verfügte im Berichtszeitraum durchschnittlich über 614 Betten.

Beschäftigte

Die Zahl der Mitarbeitenden ist von 1.958 im Jahr 2021 um rund 2 Prozent auf 1.998 im Jahr 2024 angestiegen. Im Durchschnitt waren 1.967 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.

Entwicklung der stationären Fallzahlen

Im Jahr 2021 wurden 25.287 Patientinnen und Patienten stationär aufgenommen. Im Folgejahr 2022 verringerte sich die Zahl der stationären Fälle um rund 8 Prozent. Ab dem Jahr 2023 konnte ein Wachstum der stationären Aufnahmen verzeichnet werden: Die Zahl stieg bis zum Jahr 2024 um rund 6 Prozent.

Entwicklung des Case-Mix-Indexes

Der Case-Mix-Index (CMI) lag im Jahr 2021 bei 0,90. Im Jahr 2022 verringerte sich der CMI auf 0,822. Im Jahr 2023 war eine leichte Erhöhung auf 0,889 zu verzeichnen. Im Jahr 2024 betrug der CMI 0,893.

Entwicklung des Gesamtumsatzes

Der Gesamtumsatz des AKH Celle setzt sich größtenteils aus den Erlösen für Krankenhausleistungen auf Basis von DRG-Fallpauschalen zusammen. Die Erlöse aus ambulanten Leistungen des Krankenhauses sowie die Erlöse aus den Wahlleistungen und das Nutzungsentgelt der Ärzte haben eine eher untergeordnete Bedeutung.

Nach einem leichten Wachstum im Jahr 2022 sank der Gesamtumsatz im Jahr 2023 trotz gestiegener Fallzahlen um 5 Prozent. Als Ursache für diese Entwicklung ist der Wegfall der staatlichen Zuschüsse zur Kompensation der Folgen der Corona-Pandemie zu nennen. Im Jahr 2024 stieg der Umsatz hingegen um über 10 Prozent. Ursächlich hierfür waren die gestiegenen Patientenzahlen, das Wachstum des CMI sowie ein höherer Landesbasisfallwert.

Entwicklung des Gesamtaufwands

Der Gesamtaufwand des AKH Celle sank von 177 Mio. € im Jahr 2021 um 5 Prozent auf 168 Mio. € im Jahr 2022. Ab dem Jahr 2023 stieg der Gesamtaufwand deutlich an und wuchs bis zum Jahr 2024 um insgesamt 14 Prozent.

Der Personalaufwand stellt einen der wesentlichen Kostenfaktoren dar. Bedingt durch einen Anstieg der Beschäftigtenzahl und durch höhere Tarif-Entgelte ist der Personalaufwand von 103 Mio. € im Jahr 2021 um rund 13 Prozent auf 117 Mio. € im Jahr 2024 angewachsen.

Ein maßgeblicher Treiber des Anstiegs des Gesamtaufwands war auch der Materialaufwand, der in dem Zeitraum von 2021 bis 2024 um rund 16 Prozent zugenommen hat.

Der Anstieg lässt sich vor allem auf höhere Patientenzahlen sowie auf einen infolge des Ukraine-Krieges gestiegenen Materialeinsatz zurückführen.

Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses

Zur Ermittlung des Jahresüberschusses wird der erwirtschaftete Gesamtertrag dem Gesamtaufwand gegenübergestellt.

Der Jahresüberschuss entwickelte sich innerhalb des Berichtszeitraums volatil. Im Jahr 2021 realisierte das AKH Celle einen Jahresüberschuss von 0,5 Mio. €. Im Folgejahr 2022 ist eine deutliche Steigerung des Jahresüberschusses von über 800 Prozent auf 4,7 Mio. € zu verzeichnen. Ab dem Jahr 2023 verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation sehr deutlich. Mit einem Jahresfehlbetrag von etwa 12,9 Mio. € wurde in diesem Jahr das schlechteste Ergebnis im betrachteten Zeitraum erzielt. Im Jahr 2024 konnte der Verlust auf rund 10 Millionen Euro begrenzt werden.

Das Betriebsergebnis stellte einen wesentlichen Treiber dieser Entwicklung dar. Es entwickelte sich ähnlich volatil wie der Jahresüberschuss. Nach einem Betriebsgewinn von rund 1 Mio. im Jahr 2021 konnte das Betriebsergebnis im Jahr 2022 um rund 4,1 Mio. € verbessert werden. Ab dem Jahr 2023 brach das Betriebsergebnis deutlich ein. Dem AKH Celle ist es nicht gelungen, den deutlichen Anstieg der Kosten im Personal- und Materialbereich zu begrenzen.

Entwicklung der Rentabilitäten

Die Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses spiegelt sich zunächst in der betrieblichen Umsatzrendite wider. Diese Kennzahl setzt das Betriebsergebnis ins Verhältnis zum Umsatz und dient somit als Indikator für die betriebswirtschaftliche Effizienz.

Wie auch das Betriebsergebnis entwickelte sich die betriebliche Umsatzrendite zunächst positiv. Mit 3,20 % wurde im Jahr 2022 der höchste Wert im Betrachtungszeitraum erreicht. Ab dem Jahr 2023 kam es schließlich zu einem markanten Einbruch: Die betriebliche Umsatzrendite sank um über 11 Prozentpunkte. Diese Entwicklung spiegelt die angespannte Ertragslage wider, die bereits im Betriebsergebnis sichtbar wurde.

Die Eigenkapitalrentabilität setzt den Jahresüberschuss in Verhältnis zum Eigenkapital. Diese Kennzahl misst die Verzinsung des investierten Eigenkapitals.

Während im Jahre 2021 noch eine geringe Verzinsung des investierten Eigenkapitals erzielt wurde, kam es im Jahr 2022 zu einer deutlichen Steigerung der Eigenkapitalrentabilität. Mit 7,91 Prozent wurde der Höchstwert innerhalb des Berichtszeitraums erreicht.  Ab dem Jahr 2023 kam es zu einem sehr deutlichen Rückgang der Rentabilität. Diese Entwicklung spiegelt die erhebliche Verschlechterung der Ertragslage wider.

Entwicklung des wirtschaftlichen Eigenkapitals

Das wirtschaftliche Eigenkapital besteht neben dem bilanziellen Eigenkapital anteilig aus dem Sonderposten aus Zuwendungen zur Finanzierung des Sachanlagevermögens. Dieser spiegelt die öffentlichen Mittel wider, die Krankenhäusern zur Vornahme von Investitionen gewährt werden. Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote ergibt sich aus dem Verhältnis des wirtschaftlichen Eigenkapitals zur Bilanzsumme.

Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote hat sich zunächst aufgrund der Verbesserung der Ertragslage von 32 Prozent im Jahr 2021 um 3 Prozentpunkte auf 35 Prozent im Jahr 2022 erhöht. In den Jahren 2023 und 2024 kam es aufgrund der zunehmenden Verluste bis zu einem Rückgang um insgesamt 6 Prozentpunkte. Die Quote lag innerhalb des betrachteten Zeitrahmens dennoch dicht am Idealwert von 30%.

Entwicklung der Liquidität

Die Zahlungsfähigkeit soll anhand der Liquidität 3. Grades beurteilt werden. Diese Kennzahl zeigt, inwieweit ein Krankenhaus seine kurzfristigen Verbindlichkeiten mit dem gesamten Umlaufvermögen decken kann. Grundsätzlich sollte die Liquidität 3. Grades einen Wert von mindestens 100 Prozent erreichen, um eine ausreichende Zahlungsfähigkeit sicherzustellen.

Die Liquidität 3. Grades entwickelte sich volatil. Nach einem leichtem Anstieg im Jahr 2022, fiel die Liquidität 3. Grades im Jahr 2023 um 26 Prozentpunkte. Im Jahr 2024 trat eine deutliche Verbesserung um rund 110 Prozentpunkte ein. Mit 262 Prozent wurde der bisher höchste Wert realisiert.

Ausblick

Der Insolvenzrisikowert misst das Risiko, dass ein Krankenhaus in den nächsten zwei Jahren in die Insolvenz geht. In die Berechnung des Insolvenzrisikowertes fließen Rendite-, Liquiditäts- und Stabilitätskennzahlen ein. Ein Risikowert unter 2 kennzeichnet eine hohe Insolvenzgefahr, eine akute Gefährdung der Einrichtung. Bei einem Score zwischen 2 und 3 ist das Krankenhaus zwar nicht akut insolvenzgefährdet, jedoch von finanziellen Schwierigkeiten bedroht. Ein Score über 3 kennzeichnet ein finanziell solides Krankenhaus.

In den Jahren 2021 und 2022 befand sich das Insolvenzrisiko im hohen bzw. mittleren Bereich. Im Jahr 2023 verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage jedoch erheblich. Im Folgejahr 2024 konnte dieser Abwärtstrend etwas gebremst werden, dennoch sind weiterhin dringend Maßnahmen zur Verbesserung der Ertragskraft notwendig.

Quellen

AKH Celle (2021): Konzernabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2021 bis zum 31.12. 2021.

AKH Celle (2022): Konzernabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2022 bis zum 31.12. 2022.

AKH Celle (2023): Konzernabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2023 bis zum 31.12. 2023.

AKH Celle (2024): Konzernabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2024 bis zum 31.12. 2024.

Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2023): Niedersächsischer Krankenhausplan 2023.

Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2024): Planbettenübersicht 2024.

Verfasser

Erstellt von Prof. Dr. Stefan Razik

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Letzte Aktualisierung 12.12. 2025

Disclaimer

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