Krankenhaus-Finanzreport Niedersachsen: Städtisches Klinikum Lüneburg

2018-2024

  1. Das Klinikum
  2. Trägerstruktur und Datenbasis
  3. Strategische Ausrichtung
  4. Betten
  5. Beschäftigte
  6. Entwicklung der stationären Fallzahlen
  7. Entwicklung des Case-Mix-Indexes
  8. Entwicklung des Gesamtumsatzes
  9. Entwicklung des Gesamtaufwands
  10. Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses
  11. Entwicklung der Rentabilitäten
  12. Entwicklung des wirtschaftlichen Eigenkapitals
  13. Entwicklung der Liquidität
  14. Ausblick
  15. Quellen
  16. Verfasser
  17. Disclaimer

Das Klinikum

Das Städtische Klinikum Lüneburg ist ein Krankenhaus der Schwerpunktversorgung.

Die Einrichtung verfügt über ein Bettenangebot in den folgenden Fachabteilungen:

FachabteilungBetten
Chirurgie117
Frauenheilkunde und Geburtshilfe58
Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde2
Innere Medizin198
Kinder- und Jugendmedizin46
Neurologie40
Nuklearmedizin2
Orthopädie36
Strahlentherapie10
Urologie53

Trägerstruktur und Datenbasis

Das Klinikum wird von der Städtisches Klinikum Lüneburg gGmbH betrieben. Die Städtisches Klinikum Lüneburg gGmbH ist eine Tochtergesellschaft der Gesundheitsholding Lüneburg GmbH, einem Verbund von Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen sowie weiteren Gesundheitseinrichtungen in der Region Lüneburg. Alleiniger Gesellschafter der Gesundheitsholding Lüneburg GmbH ist die Stadt Lüneburg.

Im elektronischen Unternehmensregister sind die Jahresabschlüsse der Städtisches Klinikum Lüneburg gGmbH für die Jahre 2018 bis 2024 hinterlegt.

Strategische Ausrichtung

Das Städtische Klinikum Lüneburg strebt an, sich als attraktiver Gesundheitsanbieter zu etablieren. Der Aufbau medizinischer Fachzentren sowie die Anschaffung moderner Ausstattungen sollen die überregionale Bedeutung des Hauses unterstreichen. Zudem ist eine enge Zusammenarbeit mit den anderen Unternehmen der Gesundheitsholding Lüneburg geplant, um Synergien effizient zu nutzen. So wurde die die Orthoklinik Lüneburg zum 01.01.2023 in das Klinikum integriert.

Betten

Die Zahl der Betten hat sich vom 510 im Jahr 2018 auf 562 im Jahr 2024 erhöht. Das Städtische Klinikum Lüneburg verfügte innerhalb des Berichtszeitraums durchschnittlich über 537 vollstationäre Betten.

Beschäftigte

Die Zahl der Mitarbeitenden ist von 1.294 im Jahr 2018 um rund 13 Prozent auf 1.456 im Jahr 2024 angestiegen. Im Durchschnitt waren 1.383 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.

Entwicklung der stationären Fallzahlen

Vor der Corona-Pandemie war die Anzahl der stationär aufgenommenen Patienten weitgehend stabil. In den Jahren 2018 und 2019 wurden im Mittel 29.973 Patienten behandelt.

Im ersten Jahr der Corona-Pandemie reduzierte sich die stationäre Fallzahl um rund 8 Prozent. Im Jahr 2021 stieg die Anzahl der stationär aufgenommenen Patienten leicht um etwa 2 Prozent an. Im Jahr 2022 kam es wiederum zu einem Rückgang der stationären Fallzahlen um rund 4 Prozent. Eine wesentliche Ursache hierfür waren krankheitsbedingte Personalausfälle, die eine höhere Auslastung des Klinikums verhinderten. In den Jahren 2023 und 2024 nahmen die stationären Aufnahmen insgesamt leicht um etwa 1 Prozent zu.

Entwicklung des Case-Mix-Indexes

Der Case-Mix-Index (CMI) lag vor der DRG-Neugestaltung im Jahr 2018 bei 1,072. Im Jahr 2019 betrug er 1,090. Aufgrund der DRG-Umstellung und des pandemiebedingten Patientenrückgangs verringerte sich der CMI im Jahr 2020 auf 0,900. Im Jahr 2021 setzte sich der Rückgang fort, und der CMI sank auf 0,866. Im Jahr 2022 stieg der CMI leicht auf 0,891 an.

Entwicklung des Gesamtumsatzes

Der Gesamtumsatz des Städtischen Klinikums Lüneburg setzt sich zum größten Teil aus den Erlösen aus Krankenhausleistungen zusammen. Die Erlöse aus ambulanten Leistungen des Krankenhauses sowie die Erlöse aus den Wahlleistungen und das Nutzungsentgelt der Ärzte haben eine eher untergeordnete Bedeutung.

Der Gesamtumsatz des Städtischen Klinikums Lüneburg stieg von 147 Mio. € im Jahr 2018 um rund 34 Prozent auf 197 Mio. € im Jahr 2024.

Bemerkenswert ist, dass sich der pandemiebedingte Rückgang der Fallzahlen nicht in der Umsatzentwicklung widerspiegelte. Dies ist vor allem auf staatliche Zuschüsse zur Kompensation der Folgen der Corona-Pandemie zurückzuführen. Zudem wurde der Landesbasisfallwert im Berichtszeitraum mehrfach angehoben. Ebenso sind die gestiegenen Patientenzahlen zu beachten.

Entwicklung des Gesamtaufwands

Der Gesamtaufwand des Städtischen Klinikums Lüneburg ist von 161 Mio. € im Jahr 2018 um rund 35 Prozent auf 217 Mio. € im Jahr 2024 angewachsen.

Der Personalaufwand stellt einen der wesentlichen Kostenfaktoren dar. Bedingt durch die gestiegene Mitarbeiterzahlen und die höheren Tarif-Entgelte ist der Personalaufwand von 80 Mio. € im Jahr 2018 um rund 35 Prozent auf 108 Mio. € im Jahr 2024 angewachsen.

Ein maßgeblicher Treiber des Anstiegs des Gesamtaufwands war auch der Materialaufwand, der in dem Zeitraum von 2018 bis 2024 um rund 43 Prozent zugenommen hat.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges sowie der Einsatz von Honorarkräften haben den Materialeinsatz deutlich verteuert.

Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses

Zur Ermittlung des Jahresüberschusses wird der von dem Städtischen Klinikum Lüneburg erwirtschaftete Gesamtertrag dem Gesamtaufwand gegenüberstellt.

Der Jahresüberschuss hat sich im Berichtszeitraum deutlich verringert. Während das Klinikum im Jahr 2018 noch einen Überschuss von 4 Mio. € erzielte, wurde im Jahr 2024 ein Verlust von 3 Mio. € verzeichnet.

Das Betriebsergebnis stellte einen maßgeblichen Treiber dieser Entwicklung dar. Es verzeichnete eine ähnlich negative Entwicklung wie der Jahresüberschuss. Dem Klinikum ist es infolge der anhaltend steigenden Material- und Personalkosten ab dem Jahr 2022 nicht gelungen, ein positives operatives Ergebnis zu erzielen. Zudem haben Personalengpässe eine höhere Auslastung des Klinikums verhindert.

Entwicklung der Rentabilitäten

Die betriebliche Umsatzrendite setzt das Betriebsergebnis in das Verhältnis zum Umsatz des Klinikums. Diese Kennzahl ist als ein Indikator der betriebswirtschaftlichen Effizienz anzusehen.

Die betriebliche Umsatzrendite erreichte im Jahr 2018 mit 2,2 Prozent ihren Höchststand. In den darauffolgenden Jahren ging sie kontinuierlich zurück und sank bis 2024 um 3,8 Prozentpunkte. Diese Entwicklung verdeutlicht eine deutliche Verschlechterung des Betriebsergebnisses, die insbesondere auf stark gestiegene Material- und Personalkosten zurückzuführen ist.

Die Eigenkapitalrentabilität setzt den Jahresüberschuss in Verhältnis zum Eigenkapital. Diese Kennzahl misst die Verzinsung des investierten Eigenkapitals.

Wie auch die betriebliche Umsatzrendite unterlag die Eigenkapitalrentabilität einem erheblichen Rückgang. Sie hat sich innerhalb des Berichtszeitraum um 8,6 Prozentpunkte reduziert.

Entwicklung des wirtschaftlichen Eigenkapitals

Das wirtschaftliche Eigenkapital besteht neben dem bilanziellen Eigenkapital anteilig aus dem Sonderposten aus Zuwendungen zur Finanzierung des Sachanlagevermögens. Dieser spiegelt die öffentlichen Mittel wider, die Krankenhäusern zur Vornahme von Investitionen gewährt werden. Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote setzt das wirtschaftliche Eigenkapital ins Verhältnis zu Bilanzsumme.

Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote hat sich in den Zeitraum von 2018 bis 2024 um 5 Prozentpunkte verringert, lag aber deutlich über dem Idealwert von 30 Prozent.

Entwicklung der Liquidität

Die Zahlungsfähigkeit soll anhand der Liquidität 3. Grades beurteilt werden. Diese Kennzahl zeigt, inwieweit ein Krankenhaus seine kurzfristigen Verbindlichkeiten mit dem gesamten Umlaufvermögen decken kann. Grundsätzlich sollte die Liquidität 3. Grades einen Wert von mindestens 100 % erreichen, um eine ausreichende Zahlungsfähigkeit sicherzustellen.

Die Liquidität 3. Grades unterlag innerhalb des Berichtzeitraums deutlichen Schwankungen. Sie blieb jedoch stets über dem Referenzwert.

Ausblick

Der Insolvenzrisikowert misst das Risiko, dass ein Krankenhaus in den nächsten zwei Jahren in die Insolvenz geht. In die Berechnung des Insolvenzrisikowertes fließen Rendite-, Liquiditäts- und Stabilitätskennzahlen ein. Ein Risikowert unter 2 kennzeichnet eine hohe Insolvenzgefahr, eine akute Gefährdung der Einrichtung. Bei einem Score zwischen 2 und 3 ist das Krankenhaus zwar nicht akut insolvenzgefährdet, jedoch von finanziellen Schwierigkeiten bedroht. Ein Score über 3 kennzeichnet ein finanziell solides Krankenhaus.

Das Städtische Klinikum Lüneburg war bis zum Jahr 2022 einem geringen Insolvenzrisiko ausgesetzt. In den Jahren 2023 und 2024 ist das Risiko zwar gestiegen, befand sich jedoch weiterhin nicht im kritischen Bereich. Hauptursache für diese Entwicklung ist die unzureichende Ertragslage des Klinikums. Vor diesem Hintergrund sollte das Städtische Klinikum Lüneburg gezielt Maßnahmen zur Kostenoptimierung ergreifen.

Quellen

Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2023): Niedersächsischer Krankenhausplan 2023.

Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2024): Planbettenübersicht 2024.

Städtisches Klinikum Lüneburg gGmbH (2018): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2018 bis zum 31.12. 2018.

Städtisches Klinikum Lüneburg gGmbH (2019): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2019 bis zum 31.12. 2019.

Städtisches Klinikum Lüneburg gGmbH (2020): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2020 bis zum 31.12. 2020.

Städtisches Klinikum Lüneburg gGmbH (2021): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2021 bis zum 31.12. 2021.

Städtisches Klinikum Lüneburg gGmbH (2022): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2022 bis zum 31.12. 2022.

Städtisches Klinikum Lüneburg gGmbH (2023): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2023 bis zum 31.12. 2023.

Städtisches Klinikum Lüneburg gGmbH (2024): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2024 bis zum 31.12. 2024.

Verfasser

Erstellt von Prof. Dr. Stefan Razik

Alle Rechte beim Verfasser

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Letzte Aktualisierung 07.04.2026

Disclaimer

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