- Das Klinikum
- Trägerstruktur und Datenbasis
- Strategische Ausrichtung
- Betten
- Beschäftigte
- Entwickung der stationären Fallzahlen
- Entwicklung des Case-Mix-Indexes
- Entwicklung des Gesamtumsatzes
- Entwicklung des Gesamtaufwands
- Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses
- Entwicklung der Rentabilitäten
- Entwicklung der wirtschaftlichen Eigenkapitalquote
- Entwicklung der Liquidität
- Ausblick
- Quellen
- Verfasser
- Disclaimer
Das Klinikum
Das AGAPLESION Diakonieklinikum Rotenburg ist ein kirchliches Krankenhaus der Zentralversorgung. Die Einrichtung verfügt über 25 Fachabteilungen und Institute.

Trägerstruktur und Datenbasis
Das AGAPLESION Diakonieklinikum Rotenburg wird von der AGAPLESION Diakonieklinikum Rotenburg gGmbH getragen. Diese ist Teil der AGAPLESION Gruppe, einem der größten kirchlichen Gesundheitsunternehmen in Deutschland.
Im elektronischen Unternehmensregister sind die Jahresabschlüsse der AGAPLESION Diakonieklinikum Rotenburg gGmbH für die Jahre 2018 bis 2024 hinterlegt.
Strategische Ausrichtung
Das AGAPLESION Diakonieklinikum Rotenburg ist in den strategischen Kontext der Agaplesion Gruppe eingebunden. Neben dem Fokus auf wirtschaftliche Effizienz und Mitarbeiterzufriedenheit sollen sich die Einrichtungen der Agaplesion Gruppe im Rahmen ihrer Prozessoptimierung stärker auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten ausrichten. Dabei kommt der verstärkten Digitalisierung der Abläufe eine erhebliche Bedeutung zu.
Das AGAPLESION Diakonieklinikum Rotenburg ist alleiniger Anteilseigner eines Rehazentrums, eines Pflegezentrums und eines Medizinischen Versorgungszentrums. Zudem betreibt das Klinikum eine Servicegesellschaft.
Betten
Das AGAPLESION Diakonieklinikum Rotenburg verfügte innerhalb des Berichtszeitraums im Durchschnitt über 714 vollstationäre Betten.
Beschäftigte
Im AGAPLESION Diakonieklinikum Rotenburg waren in dem Zeiraum von 2018 bis 2024 im Mittel 1.998 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.
Entwickung der stationären Fallzahlen
Bereits vor der Corona-Pandemie waren die stationären Fallzahlen im AGAPLESION Diakonieklinikum Rotenburg leicht rückläufig.

Im Jahr 2020, dem ersten Jahr der Corona-Pandemie, ging die Zahl der stationären Aufnahmen um rund 10 Prozent zurück. Im Folgejahr 2021 war ein Anstieg um etwa 7 Prozent zu verzeichnen. Im Jahr 2022 sank die Zahl der stationären Fälle erneut leicht um 3 Prozent. Für 2023 zeigte sich eine weitere Zunahme um rund 2 Prozent, während 2024 ein Rückgang der stationären Fallzahlen um etwa 4 Prozent zu beobachten war. Insgesamt verringerte sich die Zahl der stationär aufgenommenen Patientinnen und Patienten zwischen 2018 und 2024 um rund 11 Prozent.
Entwicklung des Case-Mix-Indexes
Der Case-Mix-Index (CMI) lag vor der DRG-Neugestaltung bei 1,068 im Jahr 2018 und 0,962 im Jahr 2019. Nach der DRG-Umstellung sowie dem pandemiebedingten Rückgang der Patientenzahlen verringerte sich der CMI im Jahr 2020 deutlich auf 0,881. Im Jahr 2021 war ein leichter Anstieg auf 0,868 zu verzeichnen, bevor der Wert 2022 wieder auf 0,880 anstieg. In den Jahren 2023 und 2024 lag der CMI bei 0,888 bzw. 0,883 und bewegte sich damit auf einem weitgehend stabilen Niveau.
Entwicklung des Gesamtumsatzes
Der Gesamtumsatz AGAPLESION Diakonieklinikum Rotenburg setzt sich größtenteils aus den Erlösen aus Krankenhausleistungen zusammen. Die Erlöse aus ambulanten Leistungen des Krankenhauses sowie die Erlöse aus den Wahlleistungen und das Nutzungsentgelt der Ärzte haben eine eher untergeordnete Bedeutung.

Der Gesamtumsatz des stieg von 183 Mio. € im Jahr 2018 um rund 28 Prozent auf 235 Mio. € im Jahr 2024.
Bemerkenswert ist, dass sich der pandemiebedingte Rückgang der Fallzahlen nicht in der Umsatzentwicklung widerspiegelte. Dies ist vor allem auf staatliche Zuschüsse zur Kompensation der Folgen der Corona-Pandemie zurückzuführen. Zudem wurde der Landesbasisfallwert im Berichtszeitraum mehrfach angehoben. Ebenso sind die gestiegenen Patientenzahlen zu beachten.
Entwicklung des Gesamtaufwands
Der Gesamtaufwand des AGAPLESION Diakonieklinikums Rotenburg ist von 193 Mio. € im Jahr 2018 um 37 Prozent auf 262 Mio. € im Jahr 2024 angewachsen.

Der Personalaufwand stellt einen der wesentlichen Kostenfaktoren dar. Bedingt durch einen Anstieg der Beschäftigtenzahl und durch höhere Tarif-Entgelte ist der Personalaufwand von 111 Mio. € im Jahr 2018 um rund 34 Prozent auf 149 Mio. € im Jahr 2024 gestiegen.

Ein maßgeblicher Treiber des Anstiegs des Gesamtaufwands war auch der Materialaufwand, der in dem Zeitraum von 2018 bis 2024 um rund 30 Prozent zugenommen hat.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges haben den Materialeinsatz deutlich erhöht
Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses
Zur Ermittlung des Jahresüberschusses wird der erwirtschaftete Gesamtertrag dem Gesamtaufwand gegenüberstellt.

Der Jahresüberschuss entwickelte sich im Berichtszeitraum uneinheitlich. Nach einem positiven Ergebnis im Jahr 2018 verringerte sich der Jahresüberschuss im Jahr 2019 auf –2,1 Mio. €. Im Geschäftsjahr 2020 verbesserte sich die wirtschaftliche Lage, sodass ein Überschuss von 0,6 Mio. € erzielt werden konnte. Im Jahr 2021 kam es hingegen erneut zu einem deutlichen Rückgang um mehr als 400 %. Die Ertragslage stabilisierte sich 2022 und zeigte eine spürbare Verbesserung. Ab dem Jahr 2023 verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation jedoch deutlich. Mit einem Jahresfehlbetrag von rund 2,62 Mio. € wurde im Jahr 2024 das schwächste Ergebnis des gesamten Betrachtungszeitraums verzeichnet.

Das Betriebsergebnis stellte einen wesentlichen Treiber dieser Entwicklung dar.
Nach einem erfolgreichen Geschäftsjahr 2018 mit einem Betriebsergebnis von rund 3 Mio. € fiel das Ergebnis 2019 deutlich ins Negative. Im Jahr 2020 konnte eine deutliche Verbesserung erzielt werden. Das Betriebsergebnis stieg auf rund 1,3 Mio. €. Im Folgejahr 2021 verschlechterte sich das Betriebsergebnis jedoch erneut deutlich und rutschte wieder in den negativen Bereich. 2022 zeigte sich eine vorübergehende Erholung. Das Betriebsergebnis erhöhte sich auf etwa 1 Mio. €, begleitet von einem positiven Jahresüberschuss. Diese positive Entwicklung konnte im Jahr 2023 zwar aufrechterhalten, jedoch nicht weiter ausgebaut werden. Im Geschäftsjahr 2024 verschlechterte sich die Ertragslage erneut erheblich. Das Betriebsergebnis sank deutlich in den negativen Bereich und erreichte mit rund –2,5 Mio. € den niedrigsten Wert des gesamten Betrachtungszeitraums.

Entwicklung der Rentabilitäten
Die Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses spiegelt sich zunächst in der betrieblichen Umsatzrendite wider. Diese Kennzahl setzt das Betriebsergebnis ins Verhältnis zum Umsatz und dient somit als Indikator für die betriebswirtschaftliche Effizienz.
Analog zur Entwicklung des Betriebsergebnisses zeigte sich auch bei der betrieblichen Umsatzrendite ein wechselhafter Verlauf.

Nach einer positiven Rendite von 1,5 Prozent im Jahr 2018 verschlechterte sich die betriebliche Umsatzrendite im Jahr 2019 um rund über 1,9 Prozentpunkte. Im Jahr 2020 verbesserte sich die betriebliche Umsatzrendite auf 0,65 Prozent, um dann im Jahr 2021 wieder um 1,2 Prozentpunkte zu fallen. 2022 verbesserte sich die betriebliche Umsatzrendite auf 0,43 Prozent. Ab dem Jahr 2023 war jedoch ein kontinuierlicher Rückgang zu verzeichnen. Bis 2024 verringerte sich die betriebliche Umsatzrendite insgesamt um rund 1,44 Prozentpunkte. Diese Entwicklung verdeutlicht die angespannte Ertragslage, die sich bereits im Betriebsergebnis widerspiegelte. Mit –1,01 Prozent wurde im Jahr 2024 der niedrigste Wert des gesamten Analysezeitraums erreicht.
Die Eigenkapitalrentabilität setzt den Jahresüberschuss in Verhältnis zum Eigenkapital. Diese Kennzahl misst die Verzinsung des investierten Eigenkapitals.

Die Eigenkapitalrentabilität zeigte im Betrachtungszeitraum eine deutliche Volatilität. Nach einer Rendite von 6,89 % im Jahr 2018 sank sie 2019 um rund 14 Prozentpunkte. Im Jahr 2020 konnte die Eigenkapitalverzinsung wieder leicht positiv verzeichnet werden. 2021 verschlechterte sich die Situation erneut, die Rentabilität fiel auf –6,45 %. Im Jahr 2022 verbesserte sich die Verzinsung erneut leicht. Ab 2023 kam es wieder zu einem Rückgang, der 2024 mit –9,71 % den bislang niedrigsten Wert im gesamten Zeitraum erreichte.
Entwicklung der wirtschaftlichen Eigenkapitalquote
Das wirtschaftliche Eigenkapital besteht neben dem bilanziellen Eigenkapital anteilig aus dem Sonderposten aus Zuwendungen zur Finanzierung des Sachanlagevermögens. Dieser spiegelt die öffentlichen Mittel wider, die Krankenhäusern zur Vornahme von Investitionen gewährt werden. Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote setzt das wirtschaftliche Eigenkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme.

Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote hat sich aufgrund der schwachen Ertragslage von 38 Prozent im Jahr 2018 um rund 16 Prozentpunkte auf 22 Prozent im Jahr 2024 vermindert.
Entwicklung der Liquidität
Die Zahlungsfähigkeit soll anhand der Liquidität 3. Grades beurteilt werden. Diese Kennzahl zeigt, inwieweit ein Krankenhaus seine kurzfristigen Verbindlichkeiten mit dem gesamten Umlaufvermögen decken kann. Grundsätzlich sollte die Liquidität 3. Grades einen Wert von mindestens 100 % erreichen, um eine ausreichende Zahlungsfähigkeit sicherzustellen.

Der Liquiditätsgrad hat sich in dem Zeitraum von 2019 bis 2024 um über 90 Prozentpunkte verschlechtert, dennoch lagen die Werte durchgehend unter der Mindestgrenze von 100 Prozent.
Ausblick
Der Insolvenzrisikowert misst das Risiko, dass ein Krankenhaus in den nächsten zwei Jahren in die Insolvenz geht. In die Berechnung des Insolvenzrisikowertes fließen Rendite- , Liquiditäts- und Stabilitätskennzahlen ein. Ein Risikowert unter 2 kennzeichnet eine hohe Insolvenzgefahr, eine akute Gefährdung der Einrichtung. Bei einem Score zwischen 2 und 3 ist das Krankenhaus zwar nicht akut insolvenzgefährdet, jedoch von finanziellen Schwierigkeiten bedroht. Ein Score über 3 kennzeichnet ein finanziell solides Krankenhaus.
Das AGAPLESION Diakonieklinikum Rotenburg sieht sich mit einem hohen Insolvenzrisiko konfrontiert. Der Insolvenzrisikowert bewegt sich seit Jahren im roten Bereich.

Einer der wesentlichen Gründe hierfür liegen in der unzufriedenstellenden Entwicklung der Rentabilitätskennzahlen. Das AGAPLESION Diakonieklinikum Rotenburg muss daher gemeinsam mit der AGAPLESION Gruppe dringend Maßnahmen zur Restrukturierung einleiten.
Quellen
Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg (2018): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2018 bis zum 31.12. 2018.
Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg (2019): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2019 bis zum 31.12. 2019.
Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg (2020): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2020 bis zum 31.12. 2020.
Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg (2021): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2021 bis zum 31.12. 2021.
Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg (2022): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2022 bis zum 31.12. 2022.
Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg (2023): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2023 bis zum 31.12. 2023.
Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg (2024): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2024 bis zum 31.12. 2024.
Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2023): Niedersächsischer Krankenhausplan 2023.
Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2024): Planbettenübersicht 2024.
Verfasser
Erstellt von Prof. Dr. Stefan Razik / Letzte Aktualisierung 14.01.2025
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