Krankenhaus-Finanzreport Niedersachsen: Aller-Weser-Klinik Achim Aller-Weser-Klinik Verden

  1. Die Kliniken
  2. Trägerstruktur und Datenbasis
  3. Strategische Ausrichtung
  4. Betten
  5. Beschäftigte
  6. Entwicklung der stationären Fallzahlen
  7. Entwicklung des Case-Mix-Indexes
  8. Entwicklung des Gesamtumsatzes
  9. Entwicklung des Gesamtaufwands
  10. Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses
  11. Entwicklung der Rentabilitäten
  12. Entwicklung der wirtschaftlichen Eigenkapitalquote
  13. Entwicklung der Liquidität
  14. Ausblick
  15. Quellen
  16. Verfasser
  17. Disclaimer

Die Kliniken

Die Aller-Weser-Klinik Achim ist ein kommunales Krankenhaus der Grundversorgung mit Sitz in Achim.

Die Einrichtung verfügt über ein Leistungsangebot in den folgenden Fachabteilungen:

Die Aller-Weser-Klinik Verden ist ein kommunales Krankenhaus der Grundversorgung mit Sitz in Verden.

Die Einrichtung verfügt über ein Leistungsangebot in den folgenden Fachabteilungen:

Trägerstruktur und Datenbasis

Die Aller-Weser-Klinik Achim und die Aller-Weser-Klinik Verden wurden in den Krankenhausplan des Landes Niedersachsen aufgenommen. Beide Häuser besitzen jedoch keine eigene Rechtspersönlichkeit. Rechtlicher Träger dieser Kliniken ist die Aller-Weser-Klinik gGmbH. Diese befindet sich in der Trägerschaft des Landkreises Verden sowie der Städte Achim und Verden.

Im elektronischen Unternehmensregister sind die Jahresabschlüsse Aller-Weser-Klinik gGmbH für die Jahre 2018 bis 2024 hinterlegt.

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Strategische Ausrichtung

Die Aller-Weser-Klinik gGmbH hat das zentrale Ziel, eine flächendeckende und wohnortnahe Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung des Landkreises Verden auf hohem Qualitätsniveau sicherzustellen. Dabei setzt die Gesellschaft bewusst auf zwei Klinikstandorte, deren medizinische Leistungsangebote aufeinander abgestimmt sind.

Betten

Die Aller-Weser-Klinik Achim verfügte in den Jahren 2018-2024 im Mittel über 124 Betten. Die Aller-Weser-Klinik Verden hielt in dem gleichen Zeitraum im Durchschnitt 131 Betten vor. Die mittlere Gesamtbettenzahl betrug im Berichtszeitraum 255.

Beschäftigte

Die Zahl der Mitarbeitenden ist von 670 im Jahr 2018 um rund 31 Prozent auf 880 im Jahr 2024 angestiegen. Im Durchschnitt waren 828 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Im Mittel beschäftigten beide Kliniken im Berichtszeitraum 783 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Entwicklung der stationären Fallzahlen

Die Aller-Weser-Klinik gGmbH veröffentlicht keine Daten zur Entwicklung der stationären Behandlungszahlen in den einzelnen Kliniken.

Im Jahr 2018 wurden in den beiden Aller-Weser-Kliniken 14.609 Patienten stationär aufgenommen. Im Jahr 2019 stiegen die stationären Behandlungsfälle um rund 4 Prozent auf 15.247.

Infolge der Auswirkungen der Corona-Pandemie war im Jahr 2020 ein deutlicher Rückgang der Behandlungszahlen zu verzeichnen. Gegenüber dem Jahr 2019 verringerte sich die Zahl der stationär behandelten Patientinnen und Patienten um rund 12 Prozent. Im Jahr 2021 zeigte sich eine Erholung der Fallzahlen mit einem Anstieg um 5,5 Prozent. Das Jahr 2022 war hingegen erneut von einem Rückgang der stationären Behandlungsfälle um etwa 3 Prozent geprägt. Dieser rückläufige Trend setzte sich in den Jahren 2023 und 2024 fort: Die Zahl der stationären Aufnahmen nahm um 1 Prozent beziehungsweise 3 Prozent ab. Das bislang höchste Niveau von 15.247 stationären Aufnahmen im Jahr 2019 wurde seither nicht wieder erreicht.

Entwicklung des Case-Mix-Indexes

Die Aller-Weser-Klinik gGmbH veröffentlicht keine Daten zur Entwicklung des Case-Mix-Indexes.

Entwicklung des Gesamtumsatzes

Der Gesamtumsatz der Aller-Weser-Klinik gGmbH setzt sich größtenteils aus den Erlösen für Krankenhausleistungen auf Basis von DRG-Fallpauschalen zusammen. Die Erlöse aus ambulanten Leistungen des Krankenhauses sowie die Erlöse aus den Wahlleistungen und das Nutzungsentgelt der Ärzte haben eine eher untergeordnete Bedeutung. Es liegen keine Informationen zur Verteilung des Gesamtumsatzes auf die beiden Kliniken vor.

Der Gesamtumsatz der der Aller-Weser-Klinik gGmbH stieg von 49 Mio. € im Jahr 2018 um rund 36 Prozent auf 67 Mio. € im Jahr 2024.

Bemerkenswert ist, dass sich der pandemiebedingte Rückgang der Fallzahlen nicht in der Umsatzentwicklung widerspiegelte. Dies ist vor allem auf staatliche Zuschüsse zur Kompensation der Folgen der Corona-Pandemie zurückzuführen. Zudem wurde der Landesbasisfallwert im Berichtszeitraum mehrfach angehoben.

Entwicklung des Gesamtaufwands

Der Gesamtaufwand der zwei Aller-Weser-Kliniken ist von 58 Mio. € im Jahr 2018 um rund 68 Prozent auf 98 Mio. € im Jahr 2024 gestiegen. Eine Steigerung, die sich sehr deutlich von anderen Kliniken in der Versorgungsregion abhebt.

Der Personalaufwand stellt einen der wesentlichen Kostenfaktoren dar. Bedingt durch einen Anstieg der Beschäftigtenzahl und durch höhere Tarif-Entgelte ist der Personalaufwand von 37 Mio. € im Jahr 2018 um rund 39 Prozent auf 51 Mio. € im Jahr 2024 angewachsen.

Ein maßgeblicher Treiber des Anstiegs des Gesamtaufwands war auch der Materialaufwand, der in dem Zeitraum von 2018 bis 2024 um über 100 Prozent zugenommen hat.

Einerseits haben die Folgen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Kriegs die Materialkosten deutlich erhöht. Andererseits war insbesondere die Aller-Weser-Klinik in Verden aufgrund von Personalmangel gezwungen, verstärkt auf Zeitarbeitskräfte zurückzugreifen, was die Gesamtkosten zusätzlich in die Höhe trieb.

Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses

Zur Ermittlung des Jahresüberschusses wird der von den Aller-Weser-Kliniken in Achim und Verden erwirtschaftete Gesamtertrag dem Gesamtaufwand gegenüberstellt.

Die Aller-Weser-Kliniken gGmbH verzeichnete im gesamten Berichtszeitraum einen Jahresfehlbetrag. Besonders auffällig ist die erhebliche Verschlechterung des Jahresfehlbetrags, der sich zwischen 2022 und 2024 um mehr als 120 Prozent erhöht hat.

Das Betriebsergebnis stellte einen maßgeblichen Treiber dieser Entwicklung dar. Es verzeichnete eine ähnlich negative Entwicklung wie der Jahresüberschuss. Der Aller-Weser-Kliniken gGmbH ist es infolge der anhaltend steigenden Material- und Personalkosten nicht gelungen, ein positives operatives Ergebnis zu erzielen.

Entwicklung der Rentabilitäten

Die Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses schlägt sich in den Renditekennzahler nieder.

Die betriebliche Umsatzrendite setzt das Betriebsergebnis in das Verhältnis zum Umsatz. Diese Kennzahl ist als ein Indikator der betriebswirtschaftlichen Effizienz anzusehen.

Analog zur Entwicklung des Betriebsergebnisses zeigte sich auch bei der betrieblichen Umsatzrendite ein deutlich negativer Verlauf. Mit –27 Prozent wurde im Jahr 2024 der niedrigste Wert des gesamten Analysezeitraums erreicht. Diese Entwicklung verdeutlicht die angespannte Ertragslage, die sich bereits im Betriebsergebnis widerspiegelte.

Die Eigenkapitalrentabilität setzt den Jahresüberschuss in Verhältnis zum wirtschaftlichen Eigenkapital. Diese Kennzahl misst die Verzinsung des investierten Eigenkapitals.

Die Aller-Weser-Kliniken gGmbH verzeichneten im Berichtszeitraum eine deutlich negative Eigenkapitalverzinsung. Zwar hat sich die Eigenkapitalrentabilität im Zeitraum von 2018 bis 2024 merklich verbessert, die erreichten Werte sind jedoch weiterhin als unbefriedigend zu bewerten. Die Ursachen dieser Entwicklung liegen einerseits in der anhaltend schwachen Ertragslage der Aller-Weser-Kliniken gGmbH und andererseits in der vergleichsweise geringen Eigenkapitalausstattung.

Entwicklung der wirtschaftlichen Eigenkapitalquote

Das wirtschaftliche Eigenkapital besteht neben dem bilanziellen Eigenkapital anteilig aus dem Sonderposten aus Zuwendungen zur Finanzierung des Sachanlagevermögens. Dieser spiegelt die öffentlichen Mittel wider, die Krankenhäusern zur Vornahme von Investitionen gewährt werden. Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote setzt das wirtschaftliche Eigenkapital ins Verhältnis zu Bilanzsumme.

Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote hat sich von 5 Prozent im Jahr 2018 um 19 Prozentpunkte auf 24 Prozent im Jahr 2024 erhöht. Wesentliche Ursache hierfür sind die Einzahlungen in die Kapitalrücklage, die die kommunalen Gesellschafter der Aller-Weser-Kliniken gGmbH geleistet haben. Dennoch ist die wirtschaftliche Eigenkapitalquote absolut und relativ gesehen als zu niedrig einzustufen.

Entwicklung der Liquidität

Die Zahlungsfähigkeit soll anhand der Liquidität 3. Grades beurteilt werden. Diese Kennzahl zeigt, inwieweit ein Krankenhaus seine kurzfristigen Verbindlichkeiten mit dem gesamten Umlaufvermögen decken kann. Grundsätzlich sollte die Liquidität 3. Grades einen Wert von mindestens 100 % erreichen, um eine ausreichende Zahlungsfähigkeit sicherzustellen.

Der Liquiditätsgrad hat sich in dem Zeitraum von 2018 bis 2024 um 15 Prozentpunkte verbessert, dennoch lagen die Werte durchgehend unter der Mindestgrenze von 100 Prozent.

Ausblick

Der Insolvenzrisikowert misst das Risiko, dass ein Krankenhaus in den nächsten zwei Jahren in die Insolvenz geht. In die Berechnung des Insolvenzrisikowertes fließen Rendite-, Liquiditäts- und Stabilitätskennzahlen ein. Ein Risikowert unter 2 kennzeichnet eine hohe Insolvenzgefahr, eine akute Gefährdung der Einrichtung. Bei einem Score zwischen 2 und 3 ist das Krankenhaus zwar nicht akut insolvenzgefährdet, jedoch von finanziellen Schwierigkeiten bedroht. Ein Score über 3 kennzeichnet ein finanziell solides Krankenhaus.

Die Aller-Weser-Klinik gGmbH sieht sich mit einem hohen Insolvenzrisiko konfrontiert. Zwar hat sich der Insolvenzausfallwert innerhalb des Berichtszeitraumes verbessert, die Wahrscheinlichkeit einer existenzbedrohenden Krise ist aber weiterhin sehr hoch. Eine nachhaltige Sicherung der Zukunft der Gesellschaft erfordert dringend die Einleitung von Restrukturierungsmaßnahmen und mittelfristig die Aufgabe des bisherigen Konzepts mit zwei Klinikstandorten. Ob letztere Maßnahmen angesichts der Gesellschafterstrukturen politisch durchsetzbar ist, bleibt fraglich.

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Quellen

Aller-Weser-Klinik gGmbH (2018): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2018 bis zum 31.12. 2018.

Aller-Weser-Klinik gGmbH (2019): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2019 bis zum 31.12. 2019.

Aller-Weser-Klinik gGmbH (2020): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2020 bis zum 31.12. 2020.

Aller-Weser-Klinik gGmbH (2021): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2021 bis zum 31.12. 2021.

Aller-Weser-Klinik gGmbH (2022): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2022 bis zum 31.12. 2022.

Aller-Weser-Klinik gGmbH (2023): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2023 bis zum 31.12. 2023.

Aller-Weser-Klinik gGmbH (2024): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2024 bis zum 31.12. 2024.

Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2023): Niedersächsischer Krankenhausplan 2023.

Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2024): Planbettenübersicht 2024.

Verfasser

Erstellt von Prof. Dr. Stefan Razik

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Letzte Aktualisierung am 02.03.2026

Disclaimer

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