2019-2024
- Das Klinikum
- Tragerstruktur und Datenbasis
- Strategische Ausrichtung
- Betten
- Beschäftigte
- Entwicklung der Fallzahlen
- Entwicklung des Case-Mix-Indexes
- Entwicklung des Gesamtumsatzes
- Entwicklung des Gesamtaufwands
- Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses
- Entwicklung der Rentabilitäten
- Entwicklung des wirtschaftlichen Eigenkapitals
- Entwicklung der Liquidität
- Ausblick
- Quellen
- Verfasser
- Disclaimer
Das Klinikum
Das Delme Klinikum ist ein kommunales Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung in Delmenhorst.

Das Delme-Klinikum verfügt über ein Bettenangebot in den folgenden medizinischen Fachabteilungen:
| Medizinische Fachabteilung | Anzahl der Betten |
| Chirurgie | 100 |
| Frauenheilkunde und Geburtshilfe | 21 |
| Innere Medizin | 120 |
| Kinder- und Jugendmedizin | 19 |
| Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie | 1 |
| Urologie | 21 |
Tragerstruktur und Datenbasis
Das Delme-Klinikum wird von der Delme Klinikum Delmenhorst GmbH betrieben, die sich in der Trägerschaft der Stadt Delmenhorst befindet.
Im elektronischen Unternehmensregister sind die Jahresabschlüsse der Delme Klinikum Delmenhorst GmbH für die Jahre 2019 bis 2024 hinterlegt.
Strategische Ausrichtung
Das Delme Klinikum blickt auf eine wechselhafte Geschichte zurück. Ursprünglich wurde das Klinikum von einem freigemeinnützigen Träger betrieben, der aufgrund massiver wirtschaftlicher Schwierigkeiten im Jahr 2017 Insolvenz anmelden musste. Zudem litt das Klinikum aufgrund der Vorgänge um den Pfleger Nils Högel seit Jahren unter einem erheblichen Imageschaden. Im Jahr 2018 entschloss sich die Stadt Delmenhorst, das Klinikum aus der Insolvenzmasse zu erwerben. Anschließend wurden umfangreiche Restrukturierungsmaßnahmen eingeleitet und der Bau eines neuen Klinikgebäudes initiiert, welches im Jahr 2027 bezogen werden soll.
Das Delme Klinikum ist alleiniger Anteilseigner eines Medizinischen Versorgungszentrums. Zudem betreibt das Klinikum eine Servicegesellschaft.
Betten
Das Delme Klinikum verfügte im Durchschnitt über 290 vollstationäre Betten.
Beschäftigte
Die Zahl der Mitarbeitenden ist von 475 im Jahr 2019 um rund 37 Prozent auf 650 im Jahr 2024 angestiegen. Im Durchschnitt waren 635 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.
Entwicklung der Fallzahlen
Vor der Corona-Pandemie wurden im Jahr 2019 15.889 Patienten stationär behandelt.

Im Jahr 2020, dem ersten Jahr der Corona-Pandemie, sank die stationäre Fallzahl um rund 13 Prozent. In den Jahren 2021 und 2022 veränderte sich die Zahl der stationär aufgenommenen Patientinnen und Patienten nur geringfügig. Für 2023 ist ein deutlicher Anstieg der stationären Fälle um 11 Prozent zu verzeichnen. 2024 ging die Zahl der stationären Behandlungen leicht um 3 Prozent zurück. Das bisherige Höchstniveau von 15.889 stationären Aufnahmen aus dem Jahr 2019 wurde jedoch nicht wieder erreicht.
Entwicklung des Case-Mix-Indexes
Der Case-Mix-Indes (CMI) lag vor der DRG-Neugestaltung bei einem Wert von 0,946 im Jahr 2019. Nach der DRG-Umstellung und dem pandemiebedingten Patientenrückgang hat sich der CMI im Jahr 2020 reduziert und betrug 0,813. Im Jahr 2021 lässt sich eine leichte Erhöhung des CMI auf 0,823 feststellen. Im Jahr 2022 reduzierte sich der CMI auf 0,817. Auch das Jahr 2023 ging mit einem Rückgang des CMI auf 0,787 einher. Im Jahr 2024 erhöhte sich der CMI leicht auf 0,791.
Entwicklung des Gesamtumsatzes
Der Gesamtumsatz des Delme Klinikums setzt sich zum größten Teil aus den Erlösen aus Krankenhausleistungen zusammen. Die Erlöse aus ambulanten Leistungen des Krankenhauses sowie die Erlöse aus den Wahlleistungen und das Nutzungsentgelt der Ärzte haben eine eher untergeordnete Bedeutung.

Der Gesamtumsatz stieg von 61 Mio. € im Jahr 2019 um rund 32 Prozent auf 81 Mio. € im Jahr 2024. Bemerkenswert ist, dass sich der pandemiebedingte Rückgang der Fallzahlen nicht in der Umsatzentwicklung widerspiegelte. Dies ist vor allem auf staatliche Zuschüsse zur Kompensation der Folgen der Corona-Pandemie zurückzuführen. Zudem wurde der Landesbasisfallwert im Berichtszeitraum mehrfach angehoben.
Entwicklung des Gesamtaufwands
Der Gesamtaufwand des Delme Klinikums ist von 138 Mio. € im Jahr 2019 um 28 Prozent auf 99 Mio. € im Jahr 2024 gefallen.

Diese Entwicklung weicht deutlich von der Lage anderer Krankenhäuser ab, die mit massiven Kostensteigerungen konfrontiert waren. Besonders im Fokus steht das Jahr 2019, in dem das Neubauprojekt angestoßen wurde; damit einher ging die aufwandswirksame Inanspruchnahme von Fördermitteln. Wird hingegen das Jahr 2020 als Ausgangspunkt genommen, ist der Gesamtaufwand um rund 22 Prozent gestiegen.
Der Personalaufwand stellt einen der wesentlichen Kostenfaktoren dar. Bedingt durch einen Anstieg der Beschäftigtenzahl und durch höhere Tarif-Entgelte ist der Personalaufwand von 35 Mio. € im Jahr 2019 um rund 35 Prozent auf 48 Mio. € im Jahr 2024 angewachsen.

Ein maßgeblicher Treiber des Anstiegs des Gesamtaufwands war auch der Materialaufwand, der in dem Zeitraum von 2019 bis 2024 um rund 32 Prozent zugenommen hat.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges haben den Materialeinsatz deutlich erhöht. Bemerkenswert ist, dass die Steigerung im Vergleich zu anderen Häusern überdurchschnittlich hoch ausgefallen ist.
Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses
Zur Ermittlung des Jahresüberschusses wird der erwirtschaftete Gesamtertrag dem Gesamtaufwand gegenübergestellt.

Das Delme Klinikum hat im gesamten Berichtszeitraum mit Ausnahmes des Jahres 2020 kontinuierlich Verluste erwirtschaftet. Mit einem Jahresfehlbetrag von rund 2.500 TEUR wurde im Jahr 2019 das schlechteste Ergebnis innerhalb des betrachteten Zeitraums verzeichnet. In den Jahren 2022 und 2024 konnte der Fehlbetrag zwar deutlich reduziert werden, dennoch bleibt die Ertragslage insgesamt unbefriedigend.

Das Betriebsergebnis war ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung. Nach deutlichen Betriebsverlusten im Jahr 2019 konnte 2020 erstmals ein Betriebsgewinn erzielt werden. 2021 verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage spürbar, der Betriebsgewinn brach ein. Nach einer Erholung 2022 wurde 2023 erneut ein negatives Betriebsergebnis ausgewiesen. 2024 verbesserte sich das Betriebsergebnis deutlich.

Dem Delme Klinikum gelang es nur begrenzt, den starken Kostenanstieg im Personal- und Materialbereich einzudämmen. Zudem fielen die Betriebsgewinne in den Jahren 2022 und 2024 nicht hoch genug aus, um das deutlich negative Finanzergebnis zu kompensieren.
Entwicklung der Rentabilitäten
Die Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses schlägt sich in den Renditekennzahler nieder.
Die betriebliche Umsatzrendite setzt das Betriebsergebnis in das Verhältnis zum Umsatz des Klinikums. Diese Kennzahl ist als ein Indikator der betriebswirtschaftlichen Effizienz anzusehen.

Analog zur Entwicklung des Betriebsergebnisses verlief auch die betriebliche Umsatzrendite wechselhaft. Nach einer deutlich negativen Rendite im Jahr 2019 stieg sie 2020 um über 4 Prozentpunkte und erreichte mit rund 0,65 Prozent den Höchstwert des Analysezeitraums. 2021 kam es jedoch zu einem Rückgang um etwa 2 Prozentpunkte. Nach einer leichten Erholung im Jahr 2022 verringerte sich die Rendite 2023 erneut um mehr als 2 Prozentpunkte. 2024 legte sie wieder leicht zu – um über 1 Prozentpunkt – und lag mit 0,14 Prozent erneut im positiven Bereich.
Die Eigenkapitalrentabilität setzt den Jahresüberschuss in Verhältnis zum Eigenkapital. Diese Kennzahl misst die Verzinsung des investierten Eigenkapitals.

Das Delme Klinikum wies mit Ausnahme des Jahres 2020 eine negative Eigenkapitalrentabilität aus. Der Tiefpunkt wurde im Jahr 2019 mit einer negativen Verzinsung von rund 38 Prozent erreicht. . Diese Entwicklung spiegelt die erhebliche Verschlechterung der Ertragslage wider.
Entwicklung des wirtschaftlichen Eigenkapitals
Das wirtschaftliche Eigenkapital besteht neben dem bilanziellen Eigenkapital anteilig aus dem Sonderposten aus Zuwendungen zur Finanzierung des Sachanlagevermögens. Dieser spiegelt die öffentlichen Mittel wider, die Krankenhäusern zur Vornahme von Investitionen gewährt werden. Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote setzt das wirtschaftliche Eigenkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme.

Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote wies im Berichtszeitraum 2019 bis 2024 leichte Schwankungen auf und lag durchgängig deutlich unter dem angestrebten Referenzwert von 30 Prozent. Maßnahmen zur Stärkung des Eigenkapitals durch die Stadt Delmenhorst als Hauptgesellschafter entfalten bislang nur begrenzte Wirkung, da die unzureichende Ertragslage die positiven Effekte weitgehend kompensierte.
Entwicklung der Liquidität
Die Zahlungsfähigkeit soll anhand der Liquidität 3. Grades beurteilt werden. Diese Kennzahl zeigt, inwieweit ein Krankenhaus seine kurzfristigen Verbindlichkeiten mit dem gesamten Umlaufvermögen decken kann. Grundsätzlich sollte die Liquidität 3. Grades einen Wert von mindestens 100 % erreichen, um eine ausreichende Zahlungsfähigkeit sicherzustellen.

Die Liquidität 3. Grades hat sich im Berichtszeitraum deutlich reduziert. Die in den Jahren 2019 bis 2021 beobachteten hohen Kennziffern sind als Sondereffekt zu werten, bedingt durch sanierungsbedingte, längerfristige Verbindlichkeitsstrukturen und damit nicht repräsentativ für die nachhaltige Liquiditätslage. Im Geschäftsjahr 2022 bewegte sich die Liquidität 3. Grades wieder auf einem Normalniveau. Die Kennziffern der Jahre 2023 und 2024 sind hingegen als nicht ideal einzustufen.
Ausblick
Der Insolvenzrisikowert misst das Risiko, dass ein Krankenhaus in den nächsten zwei Jahren in die Insolvenz geht. In die Berechnung des Insolvenzrisikowertes fließen Rendite-, Liquiditäts- und Stabilitätskennzahlen ein. Ein Risikowert unter 2 kennzeichnet eine hohe Insolvenzgefahr, eine akute Gefährdung der Einrichtung. Bei einem Score zwischen 2 und 3 ist das Krankenhaus zwar nicht akut insolvenzgefährdet, jedoch von finanziellen Schwierigkeiten bedroht. Ein Score über 3 kennzeichnet ein finanziell solides Krankenhaus.

Der Insolvenzrisikowert des Delme-Klinikums hat sich innerhalb des Berichtszeitraum deutlich verschlechtert. Das Klinikum befindet sich in aktuten wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Es müssen daher dringend Maßnahmen zur Stärkung des Eigenkapitals und der Ertragskraft einleitet werden. Zudem ist der Bezug des Klinikneubaus mit zusätzlichen Risiken verbunden.
Quellen
Delme-Klinikum GmbH (2019): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2019 bis zum 31.12. 2019.
Delme-Klinikum GmbH (2020): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2020 bis zum 31.12. 2020.
Delme-Klinikum GmbH (2021): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2021 bis zum 31.12. 2021.
Delme-Klinikum GmbH (2022): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2022 bis zum 31.12. 2022.
Delme-Klinikum GmbH (2023): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2023 bis zum 31.12. 2023.
Delme-Klinikum GmbH (2024): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2024 bis zum 31.12. 2024.
Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2023): Niedersächsischer Krankenhausplan 2023.
Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2024): Planbettenübersicht 2024.
Verfasser
Erstellt von Prof. Dr. Stefan Razik – Alle Rechte beim Verfasser
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Letzte Aktualisierung 20.05. 2026
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