Krankenhaus-Finanzreport Niedersachsen: Klinikum Emden – Hans-Susemihl-Krankenhaus

  1. Das Klinikum
  2. Trägerstruktur und Datenbasis
  3. Strategische Ausrichtung
  4. Betten
  5. Beschäftigte
  6. Entwicklung der stationären Fallzahlen
  7. Entwicklung des Case-Mix-Indexes
  8. Entwicklung des Gesamtumsatzes
  9. Entwicklung des Gesamtaufwands
  10. Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses
  11. Entwicklung der betrieblichen Umsatzrendite
  12. Entwicklung des wirtschaftlichen Eigenkapitals
  13. Entwicklung der Liquidität
  14. Ausblick
  15. Quellen
  16. Verfasser
  17. Disclaimer

Das Klinikum

Das Klinikum Emden – Hans-Susemihl-Krankenhaus (im weiteren Klinikum Emden) ist ein Krankenhaus der Regelversorgung.

Das Krankenhaus verfügt über ein Bettenangebot in den folgenden medizinischen Fachabteilungen:

FachabteilungBetten
Chirurgie100
Innere Medizin110
Neurologie65
Psychiatrie und Psychotherapie90

Trägerstruktur und Datenbasis

Das Klinikum Emden wird von der Klinikum Emden – Hans-Susemihl-Krankenhaus gGmbH betrieben. Das Klinikum Emden befand sich zunächst in der Trägerschaft der Stadt Emden. Im August 2018 hat die Stadt Emden ihre Anteile an der Klinikum Emden – Hans-Susemihl-Krankenhaus gGmbH an die Kliniken Aurich-Emden-Norden GmbH (ANEVITA) übertragen. ANEVITA ist ein kommunaler Krankenhausverbund, zu dem neben dem Klinikum Emden auch die Ubbo-Emmius-Kliniken in Aurich und Norden gehören.

Im elektronischen Unternehmensregister sind die Jahresabschlüsse der Klinikum Emden – Hans-Susemihl-Krankenhaus gGmbH die Jahre 2018 bis 2024 hinterlegt.

Strategische Ausrichtung

Das Klinikum Emden ist in den strategischen Kontext des ANEVITA-Klinikverbundes eingebunden. Das Ziel dieses Zusammenschlusses kommunaler Kliniken besteht in der Sicherstellung einer hochwertigen Gesundheitsversorgung für die Stadt Emden und den Landkreis Aurich. Eines der größten Zukunftsprojekte des ANEVITA-Verbundes ist der Bau eines neuen Zentralklinikums, das alle drei Klinikstandorte zusammenführen soll. Neben den drei Kliniken betreibt der ANEVITA-Verbund diverse Medizinische Versorgungszentren und Servicegesellschaften.

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Betten

Das Klinikum Emden verfügte in den Jahren 2018 bis 2023 über 350 vollstationäre Betten, davon rund 90 in der psychiatrischen Versorgung. Im Jahr 2024 wurde die Gesamtzahl auf 370 Betten erhöht. Gleichzeitig wurden die Betten in den Abteilungen für Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie für Kinder- und Jugendmedizin vollständig abgebaut und zugunsten zusätzlicher Kapazitäten in der Neurologie umgewidmet.

Beschäftigte

Die Zahl der Mitarbeitenden ist von 897 im Jahr 2018 um rund 14 Prozent auf 1.019 im Jahr 2024 angestiegen. Im Durchschnitt waren 917 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.

Entwicklung der stationären Fallzahlen

Bereits vor der Corona-Pandemie waren die stationären Behandlungszahlen leicht rückläufig. So reduzierte sich die Zahl der aufgenommenen Patienten von 2018 auf 2019 um rund 3 Prozent.

Im Jahr 2020, dem ersten Jahr der Corona-Pandemie, sank die stationäre Fallzahl im Vergleich zum Vorjahr um rund 8 Prozent. In den Jahren 2021 und 2022 setzte sich dieser Trend mit weiteren Rückgängen der stationären Behandlungszahlen um etwa 7 bzw. 11 Prozent fort. Für die Jahre 2023 und 2024 hingegen ist wieder ein Anstieg der stationären Behandlungen um rund 6 bzw. 10 Prozent zu verzeichnen. Die bisher höchste Zahl der stationären Aufnahmen – 14.208 Patienten im Jahr 2018 – konnte jedoch nicht wieder erreicht werden.

Entwicklung des Case-Mix-Indexes

Vor der DRG-Neugestaltung zeigte der Case-Mix-Index (CMI) mit 0,927 (2018) und 0,879 (2019) ein vergleichsweise stabiles Niveau. Im Zuge der DRG-Umstellung und des pandemiebedingten Rückgangs der Patientenzahlen kam es 2020 zu einem deutlichen Einbruch auf 0,751. In den Folgejahren setzte eine Erholung ein, mit einem Anstieg auf 0,829 (2021) und 0,885 (2022). Seitdem bewegt sich der CMI auf einem weitgehend stabilisierten Niveau mit leichten Schwankungen, 0,880 im Jahr 2023; 0,884 im Jahr 2024).

Entwicklung des Gesamtumsatzes

Der Gesamtumsatz des Klinikums Emden setzt sich größtenteils aus den Erlösen aus Krankenhausleistungen zusammen. Die Erlöse aus ambulanten Leistungen des Krankenhauses sowie die Erlöse aus den Wahlleistungen und das Nutzungsentgelt der Ärzte haben eine eher untergeordnete Bedeutung.

Der Gesamtumsatz des Klinikums Emden stieg von 64 Mio. € im Jahr 2018 um rund 26 Prozent auf 81 Mio. € im Jahr 2024.
Bemerkenswert ist, dass sich der pandemiebedingte Rückgang der Fallzahlen nicht in der Umsatzentwicklung widerspiegelte. Dies ist vor allem auf staatliche Zuschüsse zur Kompensation der Folgen der Corona-Pandemie zurückzuführen. Zudem wurde der Landesbasisfallwert im Berichtszeitraum mehrfach angehoben. Ebenso sind die gestiegenen Patientenzahlen und die Ausweitung der Bettenkapazität zu beachten.

Entwicklung des Gesamtaufwands

Der Gesamtaufwand des Klinikums Emden ist von 71 Mio. € im Jahr 2018 um 35 Prozent auf 96 Mio. € im Jahr 2024 angestiegen.

Der Personalaufwand stellt einen der wesentlichen Kostenfaktoren dar. Bedingt durch einen Anstieg der Beschäftigtenzahl und durch höhere Tarif-Entgelte ist der Personalaufwand von 43 Mio. € im Jahr 2018 um rund 31 Prozent auf 57 Mio. € im Jahr 2024 angewachsen.

Ein maßgeblicher Treiber des Anstiegs des Gesamtaufwands war auch der Materialaufwand, der in dem Zeitraum von 2018 bis 2024 um rund 59 Prozent zugenommen hat.

Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses

Zur Ermittlung des Jahresüberschusses wird der erwirtschaftete Gesamtertrag dem Gesamtaufwand gegenübergestellt.

Das Klinikum Emden hat im gesamten Berichtszeitraum kontinuierlich Verluste erwirtschaftet. Mit einem Jahresfehlbetrag von12 Mio. € wurde im Jahr 2023 das schlechteste Ergebnis innerhalb des betrachteten Zeitraums verzeichnet. Im Jahr 2024 konnte der Fehlbetrag zwar leicht reduziert werden, dennoch bleibt die Ertragslage insgesamt unbefriedigend.

Das Betriebsergebnis stellte einen maßgeblichen Treiber dieser Entwicklung dar. Es verzeichnete eine ähnlich negative Entwicklung wie der Jahresüberschuss. Dem Klinikum ist es infolge der anhaltend steigenden Material- und Personalkosten nicht gelungen, ein positives operatives Ergebnis zu erzielen.

Entwicklung der betrieblichen Umsatzrendite

Die Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses spiegelt sich in der betrieblichen Umsatzrendite wider. Diese Kennzahl setzt das Betriebsergebnis ins Verhältnis zum Umsatz des Klinikums und dient somit als Indikator für die betriebswirtschaftliche Effizienz.

Die betriebliche Umsatzrendite des Klinikums Emden war im gesamten Berichtszeitraum deutlich negativ. Besonders im Jahr 2023 fiel sie mit -16 Prozent außergewöhnlich schlecht aus und ist als deutliches wirtschaftliches Warnsignal zu bewerten.

Entwicklung des wirtschaftlichen Eigenkapitals

Das wirtschaftliche Eigenkapital besteht neben dem bilanziellen Eigenkapital anteilig aus dem Sonderposten aus Zuwendungen zur Finanzierung des Sachanlagevermögens. Dieser spiegelt die öffentlichen Mittel wider, die Krankenhäusern zur Vornahme von Investitionen gewährt werden. Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote setzt das wirtschaftliche Eigenkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme.

Die Entwicklung der wirtschaftlichen Eigenkapitalquote des Klinikums Emden verlief im Berichtszeitraum äußerst volatil. In den Jahren 2021 und 2022 war das wirtschaftliche Eigenkapital negativ. Erst durch Einzahlungen in die Kapitalrücklage konnte die Eigenkapitalbasis wieder gestärkt werden. Die im Jahr 2024 erreichte Eigenkapitalquote von 15 Prozent stellt zwar eine Verbesserung dar, ist jedoch weiterhin als unterdurchschnittlich und nicht ausreichend stabil zu bewerten.

Entwicklung der Liquidität

Die Zahlungsfähigkeit soll anhand der Liquidität 3. Grades beurteilt werden. Diese Kennzahl zeigt, inwieweit ein Krankenhaus seine kurzfristigen Verbindlichkeiten mit dem gesamten Umlaufvermögen decken kann. Grundsätzlich sollte die Liquidität 3. Grades einen Wert von mindestens 100 % erreichen, um eine ausreichende Zahlungsfähigkeit sicherzustellen.

Die Liquidität 3. Grades zeigte im Berichtszeitraum eine volatile Entwicklung, blieb jedoch kontinuierlich oberhalb des Referenzwertes und weist damit insgesamt auf eine gesicherte kurzfristige Zahlungsfähigkeit hin.
 

Ausblick

Der Insolvenzrisikowert misst das Risiko, dass ein Krankenhaus in den nächsten zwei Jahren in die Insolvenz geht. In die Berechnung des Insolvenzrisikowertes fließen Rendite-, Liquiditäts- und Stabilitätskennzahlen ein. Ein Risikowert unter 2 kennzeichnet eine hohe Insolvenzgefahr, eine akute Gefährdung der Einrichtung. Bei einem Score zwischen 2 und 3 ist das Krankenhaus zwar nicht akut insolvenzgefährdet, jedoch von finanziellen Schwierigkeiten bedroht. Ein Score über 3 kennzeichnet ein finanziell solides Krankenhaus.

Der Insolvenzrisikowert des Klinikums Emden hat sich im Berichtszeitraum deutlich verschlechtert. Erst im Jahr 2024 trat eine leichte Verbesserung ein. Das Klinikum befindet sich in akuten wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Daher müssen dringend weitere Maßnahmen zur Stärkung des Eigenkapitals und der Ertragskraft eingeleitet werden. Die Zugehörigkeit zum kommunalen Krankenhausverbund ANEVITA sollte genutzt werden, um weitere Effizienzpotenziale zu erschließen.

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Quellen

Klinikum Emden – Hans-Susemihl-Krankenhaus gGmbH (2018): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2018 bis zum 31.12. 2018.

Klinikum Emden – Hans-Susemihl-Krankenhaus gGmbH (2019): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2019 bis zum 31.12. 2019.

Klinikum Emden – Hans-Susemihl-Krankenhaus gGmbH (2020): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2020 bis zum 31.12. 2020.

Klinikum Emden – Hans-Susemihl-Krankenhaus gGmbH (2021): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2021 bis zum 31.12. 2021.

Klinikum Emden – Hans-Susemihl-Krankenhaus gGmbH (2022): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2022 bis zum 31.12. 2022.

Klinikum Emden – Hans-Susemihl-Krankenhaus gGmbH (2023): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2023 bis zum 31.12. 2023.

Klinikum Emden – Hans-Susemihl-Krankenhaus gGmbH (2024): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2024 bis zum 31.12. 2024.

Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2023): Niedersächsischer Krankenhausplan 2023.

Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2024): Planbettenübersicht 2024.

Verfasser

Erstellt von Prof. Dr. Stefan Razik / Alle Rechte beim Verfasser

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Letzte Aktualisierung 13.04.2026

Disclaimer

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