- Das Klinikum
- Trägerstruktur und Datenbasis
- Strategische Ausrichtung
- Betten
- Beschäftigte
- Entwicklung der stationären Fallzahlen
- Entwicklung des Case-Mix-Indexes
- Entwicklung des Gesamtumsatzes
- Entwicklung des Gesamtaufwands
- Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses
- Entwicklung der betrieblichen Umsatzrendite
- Entwicklung des wirtschaftlichen Eigenkapitals
- Entwicklung der Liquidität
- Ausblick
- Quellen
- Verfasser
- Disclaimer
Das Klinikum
Das Klinikum Wilhelmshaven ist ein kommunales Krankenhaus der Schwerpunktversorgung.

Das Krankenhaus verfügt über ein Leitungsangebot in den folgenden medizinischen Fachabteilungen:
| Fachabteilung | Anzahl Betten |
| Chirurgie | 100 |
| Frauenheilkunde und Geburtshilfe | 25 |
| Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde | 2 |
| Innere Medizin | 240 |
| Kinder- und Jugendmedizin | 29 |
| Orthopädie | 30 |
| Urologie | 30 |
| Kinder- und Jugendpsychiatrie | 13 |
| Psychiatrie und Psychotherapie | 127 |
Trägerstruktur und Datenbasis
Das Klinikum Wilhelmshaven befindet sich in Trägerschaft der Klinikum Wilhelmshaven gGmbH, deren alleinige Gesellschafterin die Stadt Wilhelmshaven ist.
Die Klinikum Wilhelmshaven gGmbH ist eine reine Betriebsgesellschaft. Die für den Betrieb erforderlichen Grundstücke und Gebäude werden von der Stadt Wilhelmshaven gegen Miete zur Nutzung überlassen.
Basis für die Analyse sind die Jahresabschlüsse, die von der Klinikum Wilhelmshaven gGmbH im elektronischen Unternehmensregister veröffentlicht werden. Die Gesellschaft hat es jedoch in den vergangenen Jahren versäumt, die Veröffentlichungsfristen einzuhalten. Sämtliche Abschlüsse der Jahre 2018 bis 2023 sind deutlich verspätet erschienen. Dieses Verhalten kann nicht als Vorbild guter Unternehmensführung gewertet werden.
Strategische Ausrichtung
Die Klinikum Wilhelmshaven gGmbH ging es aus dem ehemaligen städtischen Reinhard-Nieter-Krankenhaus hervor. Das Ziel dieser Gesellschaft besteht in der Sicherstellungen einer regionale Spitzenversorgung durch ein hochqualifiziertes medizinisches und pflegerisches Leistungsangebot.
Die Klinikum Wilhelmshaven gGmbH hat sich in der jüngeren Vergangenheit vielfältigen Herausforderungen stellen müssen.
Im Jahr 2017 wurde das „Jahrhundertprojekt“ zum Neubau des Klinikum Wilhelmshaven beschlossen. Aufgrund fehlender Jahresabschlüsse und der unsicheren wirtschaftlichen Lage des Klinikums stoppte die kreditgebende Bank im Jahr 2023 die Bereitstellung wichtiger Finanzmittel. Die im Jahr 2021 begonnenen Baumaßnahmen wurden daraufhin unterbrochen.
Darüber hinaus führten mutmaßliche Behandlungsfehler zu Strafanzeigen gegen Beschäftigte des Klinikums. Zudem kam es in den vergangenen Jahren zu zahlreichen Wechseln im Führungspersonal.
Durch die Einleitung umfangreicher Sanierungsmaßnahmen konnte die wirtschaftliche Stabilität der Gesellschaft vorerst wiederhergestellt werden. In diesem Zuge wurde auch die Freigabe des Baukontos erreicht, die Bauarbeiten wurden jedoch dennoch nicht wieder aufgenommen.
Im Jahr 2024 beschloss der Rat der Stadt Wilhelmshaven die Fusion der Klinikum Wilhelmshaven gGmbH mit der Friesland Kliniken gGmbH. Die Umsetzung dieses Vorhabens befindet sich derzeit in Planung und wird aller Wahrscheinlichkeit nach zu einer Neubewertung des Bauprojekts am Klinikum Wilhelmshaven führen.
Betten
Das Klinikum Wilhelmshaven verfügte in den Jahren 2018 bis 2023 im Mittel über 598 vollstationäre Betten. Hiervon entfallen circa 24 Prozent auf die psychiatrische Versorgung.
Beschäftigte
Die Zahl der Mitarbeitenden ist von 1.459 im Jahr 2018 um rund 16 Prozent auf 1.686 im Jahr 2023 angestiegen. Im Durchschnitt waren 1.541 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.
Entwicklung der stationären Fallzahlen
Vor der COVID-19-Pandemie verzeichneten die stationären Behandlungszahlen ein leichtes Wachstum. In den Jahren 2018 und 2019 wurden durchschnittlich 23.847 Patienten stationär aufgenommen, davon entfielen etwa 10 Prozent auf psychiatrische Fälle.

IIm Jahr 2020, dem ersten Jahr der COVID-19-Pandemie, sank die stationäre Fallzahl im Vergleich zum Vorjahr um rund 16 Prozent. Auch im Jahr 2021 setzte sich dieser Trend mit einem weiteren Rückgang von etwa 11 Prozent fort. Im Jahr 2022 blieb die Zahl der stationären Aufnahmen im Vergleich zum Vorjahr weitgehend stabil. 2023 kam es hingegen erneut zu einem Rückgang der stationären Fälle um rund 6 Prozent.
Die bislang höchste Zahl stationärer Aufnahmen – 24.179 Patienten im Jahr 2019 – wurde seitdem nicht wieder erreicht. Insgesamt ist die Zahl der stationären Behandlungen im Zeitraum von 2018 bis 2023 um rund 29 Prozent zurückgegangen.
Die Ursachen hierfür liegen nicht nur in den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie, sondern auch in erheblichen Personalmängeln sowie einer negativen Berichterstattung in den Medien.
Entwicklung des Case-Mix-Indexes
Der Case-Mix-Indes (CMI) lag vor der DRG-Neugestaltung bei einem Wert von 0,955 im Jahr 2018 und 0,937 im Jahr 2019. Nach der DRG-Umstellung und dem pandemiebedingten Patientenrückgang hat sich der CMI im Jahr 2020 reduziert und betrug 0,773. Im Jahr 2021 lässt sich ein Rückgang des CMI auf 0,747 feststellen. In den Jahren 2022 und 2023 fiel der CMI auf 0,727 bzw. 0,719.
Entwicklung des Gesamtumsatzes
Der Gesamtumsatz des Klinikums Wilhelmshaven setzt sich zum größten Teil aus den Erlösen aus Krankenhausleistungen zusammen. Die Erlöse aus ambulanten Leistungen des Krankenhauses sowie die Erlöse aus den Wahlleistungen und das Nutzungsentgelt der Ärzte haben eine eher untergeordnete Bedeutung.

Der Gesamtumsatz stieg von 106 Mio. € im Jahr 2018 um rund 7 Prozent auf 113 Mio. € im Jahr 2022. Bemerkenswert ist, dass sich der pandemiebedingte Rückgang der Fallzahlen nicht in der Umsatzentwicklung widerspiegelte. Dies ist insbesondere auf staatliche Zuschüsse zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zurückzuführen. Im Jahr 2023 sank der Gesamtumsatz hingegen leicht um etwa 5 Prozent. Ursächlich hierfür sind die rückläufigen Patientenzahlen sowie die Verringerung des CMI.
Entwicklung des Gesamtaufwands
Der Gesamtaufwand des Klinikums Wilhelmshaven ist von 115 Mio. € im Jahr 2018 um 20 Prozent auf 138 Mio. € im Jahr 2023 angestiegen.

Der Personalaufwand stellt einen der wesentlichen Kostenfaktoren dar. Bedingt durch einen Anstieg der Beschäftigtenzahl und durch höhere Tarif-Entgelte ist der Personalaufwand von 74 Mio. € im Jahr 2018 um rund 17 Prozent auf 87 Mio. € im Jahr 2022 angewachsen. Der leichte Rückgang der Personalkosten im Jahr 2023 kann durch eine Neugestaltung der Personalstrukturen und durch die Neubewertung von Pensionrückstellungen begründet werden.
Ein maßgeblicher Treiber des Anstiegs des Gesamtaufwands war auch der Materialaufwand, der in dem Zeitraum von 2018 bis 2023 um rund 32 Prozent zugenommen hat.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges haben den Materialeinsatz deutlich erhöht
Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses
Zur Ermittlung des Jahresüberschusses wird der erwirtschaftete Gesamtertrag dem Gesamtaufwand gegenübergestellt.

Das Klinikum Wilhelmshaven arbeitete in den Jahren 2018 bis 2021 ausschließlich in der Verlustzone. Die deutliche Verbesserung der Gewinnsituation ab dem Jahr 2022 war auf Ertragszuschüsse der Stadt Wilhelmshaven als Alleingesellschafterin zurückzuführen. Trotz dieser Maßnahmen hat sich der Jahresüberschuss im Jahr 2023 um 43 Prozent reduziert.

Die Entwicklung des Jahresüberschusses wurde maßgeblich durch den Verlauf des Betriebsergebnisses beeinflusst. Das Betriebsergebnis des Klinikums Wilhelmshaven hat sich in den Jahren 2018 bis 2021 stetig verringert, da die Aufwendungen – insbesondere für Personal und Material – stärker gestiegen sind als die Umsatzerlöse.

Die Ertragszuschüsse in den Jahren 2022 und 2023 haben den operativen Verlust lediglich kompensiert.
Entwicklung der betrieblichen Umsatzrendite
Die Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses spiegelt sich zunächst in dem Verlauf der betrieblichen Umsatzrendite wider. Diese Kennzahl setzt das Betriebsergebnis ins Verhältnis zum Umsatz des Klinikums Wilhelmshaven und dient somit als Indikator für die betriebswirtschaftliche Effizienz.

Das Klinikum Wilhelmshaven wies im Zeitraum von 2018 bis 2021 durchgehend eine negative betriebliche Umsatzrendite auf. Diese Entwicklung spiegelt die negative Entwicklung des Betriebsergebnisses wider. Im Geschäftsjahr 2022 kam es infolge der eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen zu einer deutlichen Verbesserung. Mit 10 Prozent wurde in diesem Jahr der höchste Wert des Analysezeitraums erreicht. Im Jahr 2023 sank die betriebliche Umsatzrendite trotz weiterer Ertragszuschüsse um 4 Prozentpunkte, blieb jedoch im positiven Bereich.
Die Eigenkapitalrentabilität setzt den Jahresüberschuss in Verhältnis zum Eigenkapital. Diese Kennzahl misst die Verzinsung des investierten Eigenkapitals.

Die Eigenkapitalrentabilität wies in den Jahren 2018 bis 2021 einen deutlich negativen Verlauf auf. Die dreistelligen Negativrenditen sind insbesondere auf die geringe Eigenkapitalausstattung zurückzuführen. Im Jahr 2022 konnte infolge der eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen wieder eine deutlich positive Verzinsung erzielt werden. Im darauffolgenden Jahr kam es jedoch zu einem Rückgang um mehr als 40 Prozentpunkte. Die Ursachen hierfür liegen weniger in der Entwicklung des Jahresüberschusses als vielmehr in der gestiegenen Eigenkapitalbasis.
Entwicklung des wirtschaftlichen Eigenkapitals
Das wirtschaftliche Eigenkapital besteht neben dem bilanziellen Eigenkapital anteilig aus dem Sonderposten aus Zuwendungen zur Finanzierung des Sachanlagevermögens. Dieser spiegelt die öffentlichen Mittel wider, die Krankenhäusern zur Vornahme von Investitionen gewährt werden. Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote ergibt sich aus dem Verhältnis des wirtschaftlichen Eigenkapitals zur Bilanzsumme.

Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote des Klinikums Wilhelmshaven lag im Zeitraum von 2018 bis 2021 im niedrigen einstelligen Bereich. Erst infolge von Kapitalerhöhungen in den Jahren 2022 und 2023 stieg sie auf 6 Prozent bzw. 15 Prozent. Über den gesamten Betrachtungszeitraum hinweg blieb die wirtschaftliche Eigenkapitalquote damit deutlich unter dem angestrebten Idealwert von 30 %.
Entwicklung der Liquidität
Die Zahlungsfähigkeit soll anhand der Liquidität 3. Grades beurteilt werden. Diese Kennzahl zeigt, inwieweit ein Krankenhaus seine kurzfristigen Verbindlichkeiten mit dem gesamten Umlaufvermögen decken kann. Grundsätzlich sollte die Liquidität 3. Grades einen Wert von mindestens 100 Prozent erreichen, um eine ausreichende Zahlungsfähigkeit sicherzustellen.

Im Zuge des Neubauprojekts wurden dem Klinikum umfangreiche Fördermittel und Kredite gewährt. Deren Verbuchung führte ab dem Jahr 2020 zu einer deutlichen Verbesserung der Liquiditätslage. Ebenso sind die Liquiditätszuschüsse der Stadt Wilhelmshaven zu berücksichtigen. Es ist jedoch anzumerken, dass im Rahmen der aktuellen Überlegungen zum Bauvorhaben eine Rückzahlung der gewährten Fördermittel bzw. Kredite möglich ist.
Ausblick
Der Insolvenzrisikowert misst das Risiko, dass ein Krankenhaus in den nächsten zwei Jahren in die Insolvenz geht. In die Berechnung des Insolvenzrisikowertes fließen Rendite-, Liquiditäts- und Stabilitätskennzahlen ein. Ein Risikowert unter 2 kennzeichnet eine hohe Insolvenzgefahr, eine akute Gefährdung der Einrichtung. Bei einem Score zwischen 2 und 3 ist das Krankenhaus zwar nicht akut insolvenzgefährdet, jedoch von finanziellen Schwierigkeiten bedroht. Ein Score über 3 kennzeichnet ein finanziell solides Krankenhaus.

Das Klinikum Wilhelmshaven wies bis zum Jahr 2022 eine ausgeprägte Ertragsschwäche sowie eine unzureichende Eigenkapitalausstattung auf. Erst durch umfangreiche finanzielle Unterstützung der Stadt Wilhelmshaven und weitere Sanierungsmaßnahmen trat eine deutliche Verbesserung ein. Auch die gewährten Fördermittel und Liquiditätszuschüsse führten zu einer Stärkung des Working Capitals. Darüber hinaus konnte die Freigabe des Baukontos erreicht werden. Die bisherige Entwicklung zeigt jedoch, dass die Existenz des Klinikums Wilhelmshaven maßgeblich von der Unterstützung der Stadt Wilhelmshaven abhängt. Aus eigener Kraft ist derzeit keine nachhaltige wirtschaftliche Stabilität gegeben. Zudem ergeben sich aus dem aktuell ruhenden Bauprojekt zusätzliche finanzielle Risiken. Vor diesem Hintergrund sind weitere Maßnahmen zur nachhaltigen Stärkung der Ertragskraft dringend erforderlich. Diese sollten jedoch im Kontext der geplanten Fusion mit den Friesland Kliniken in ein neu ausgerichtetes strategisches Gesamtkonzept eingebettet werden.
Quellen
Klinikum Wilhelmshaven gGmbH (2018): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2018 bis zum 31.12. 2018.
Klinikum Wilhelmshaven gGmbH (2019): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2019 bis zum 31.12. 2019.
Klinikum Wilhelmshaven gGmbH (2020): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2020 bis zum 31.12. 2020.
Klinikum Wilhelmshaven gGmbH (2021): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2021 bis zum 31.12. 2021.
Klinikum Wilhelmshaven gGmbH (2022): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2022 bis zum 31.12. 2022.
Klinikum Wilhelmshaven gGmbH (2023): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2023 bis zum 31.12. 2023.
Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2023): Niedersächsischer Krankenhausplan 2023.
Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2024): Planbettenübersicht 2024.
Verfasser
Erstellt von Prof. Dr. Stefan Razik
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Letzte Aktualisierung am 27.04.2026
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