Krankenhaus-Finanzreport Niedersachsen: Marien Hospital, Papenburg

  1. Das Krankenhaus
  2. Trägerstruktur und Datenbasis
  3. Strategische Ausrichtung
  4. Betten
  5. Beschäftigte
  6. Entwicklung der stationären Fallzahlen
  7. Entwicklung des Case-Mix-Indexes
  8. Entwicklung des Gesamtumsatzes
  9. Entwicklung des Gesamtaufwands
  10. Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses
  11. Entwicklung des Rentabilitäten
  12. Entwicklung des wirtschaftlichen Eigenkapitals
  13. Entwicklung der Liquidität
  14. Ausblick
  15. Quellen
  16. Verfasser
  17. Disclaimer

Das Krankenhaus

Das Marien Hospital ist ein kirchliches Krankenhaus der Regelversorgung mit Sitz in Papenburg (Ems).

Das Krankenhaus verfügt über ein Bettenangebot in den folgenden medizinischen Fachabteilungen:

Medizinische FachabteilungBetten
Chirurgie50
Frauenheilkunde und Geburtshilfe16
Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde1
Innere Medizin80
Kinder- und Jugendmedizin20
Orthopädie30
Urologie2

Trägerstruktur und Datenbasis

Rechtlicher Träger des Marien Hospitals ist die Marien Hospital Papenburg Aschendorf gGmbH. Hauptgesellschafter dieser gemeinnützigen Gesellschaft sind die St. Bonifatius Hospitalgesellschaft Lingen e.V. und die Stiftung Marienhospital Papenburg Aschendorf.

Die Marien Hospital Papenburg Aschendorf gGmbH ist nach HGB verpflichtet, einen Jahresabschluss einschließlich Lagebericht im elektronischen Unternehmensregister zu veröffentlichen. Für die den Zeitraum von 2018 bis 2022 sind diese Abschlüsse vollständig verfügbar. Für das Jahr 2023 liegt aufgrund des vollzogenen Schutzschirmverfahrens allerdings nur ein Jahresabschluss für das Rumpfgeschäftsjahr vom 1. Mai bis zum 31. Dezember 2023 vor. Der Abschluss des Jahres 2024 deckt hingegen das vollständige Kalenderjahr ab.

Strategische Ausrichtung

Das Marien Hospital ist in den strategischen Kontext der St. Bonifatius Hospitalgesellschaft Lingen e.V. eingebettet. Unter dem Leitbild „den Menschen verbunden“ möchte das Marien Hospital medizinische Exzellenz und menschliche Fürsorge nachhaltig miteinander verbinden. Die stationäre und die ambulante Versorgung sind hierbei eng miteinander verzahnt. So betreibt die Marien Hospital Papenburg Aschendorf gGmbH neben dem Marien Hospital drei Medizinischen Versorgungszentren sowie eine ambulanten Rehabilitationseinrichtung.

Aufgrund massiver wirtschaftlicher Schwierigkeiten hat die Geschäftsführung der Marien Hospital Papenburg Aschendorf gGmbH im Jahr 2022 beim zuständigen Amtsgericht mit Erfolg einen Antrag auf Einleitung eines Schutzschirmverfahrens gemäß § 270d InsO gestellt. Mit dem Schutzschirmverfahren wurde das Ziel verfolgt, die Gesellschaft in eigener Verantwortung zu sanieren. Das Schutzschirmverfahren wurde im April 2023 plangemäß beendet.

Betten

Das Marien Hospital verfügte in den Jahren 2018 bis 2024 im Mittel über 302 vollstationäre Betten.

Beschäftigte

Die Zahl der Mitarbeitenden ist von 901 im Jahr 2018 um rund 8 Prozent auf 977 im Jahr 2024 angestiegen. Im Durchschnitt waren 891 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.

Entwicklung der stationären Fallzahlen

Bereits vor der Corona-Pandemie war die Zahl der stationären Aufnahmen leicht rückläufig.

Im Jahr 2020, dem ersten Jahr der COVID-19-Pandemie, verringerte sich die Zahl der stationären Fälle um rund 19 Prozent. Im Folgejahr 2021 war ein leichter Anstieg der stationären Aufnahmen um etwa 2 Prozent zu verzeichnen. Für das Jahr 2022 zeigte sich ein leichter Anstieg der stationären Fälle um rund 3 Prozent. Im Jahr 2023 blieb die Zahl der stationären Aufnahmen leicht unter dem Vorjahresniveau. Im Jahr 2024 erholten sich die stationären Fallzahlen wieder und stiegen um über 6 Prozent. Die bislang höchste Zahl der stationären Aufnahmen, 11.342 Patienten im Jahr 2018, konnte nicht mehr erreicht werden.

Entwicklung des Case-Mix-Indexes

Die Marien Hospital Papenburg Aschendorf gGmbH hat keine Daten veröffentlicht, die einen Rückschluss auf die Entwicklung des Case-Mix-Indexes zulassen.

Werbeanzeigen

Entwicklung des Gesamtumsatzes

Der Gesamtumsatz des Marien Hospitals setzt sich größtenteils aus Erlösen aus Krankenhausleistungen zusammen. Erlöse aus ambulanten Leistungen, Wahlleistungen sowie das Nutzungsentgelt der Ärzte spielen hingegen eine eher untergeordnete Rolle.

Der Gesamtumsatz stieg von 58 Mio. € im Jahr 2018 um rund 18 Prozent auf 68 Mio. € im Jahr 2022. Dass sich die rückläufigen stationären Fallzahlen nicht im Umsatz niederschlugen, ist vor allem auf staatliche Corona-Hilfen sowie einen gestiegenen Landesbasisfallwert zurückzuführen. Im Jahr 2023 sank der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um über 30 Prozent – wesentlich bedingt durch das Rumpfgeschäftsjahr vom 1. Mai bis 31. Dezember 2023. Im Jahr 2024 verbesserte sich der Gesamtumsatz dann wieder deutlich um 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Maßgeblich hierfür waren das vollständige Geschäftsjahr, höhere Fallzahlen sowie ein gestiegener Landesbasisfallwert.

Entwicklung des Gesamtaufwands

Der Gesamtaufwand des Marien Hospitals ist – mit Ausnahme des Rumpfgeschäftsjahres 2023 – um 43 Prozent gestiegen.

Der Personalaufwand stellt einen der wesentlichen Kostenfaktoren dar. Bedingt durch einen Anstieg der Beschäftigtenzahl und durch höhere Tarif-Entgelte ist der Personalaufwand von 42 Mio. € im Jahr 2018 um rund 37 Prozent auf 57 Mio. € im Jahr 2024 angewachsen. Der Rückgang im Jahr 2023 ist wiederum dem Rumpfgeschäftsjahr geschuldet.

Ein maßgeblicher Treiber des Anstiegs des Gesamtaufwands war auch der Materialaufwand, der in dem Zeitraum von 2018 bis 2024 um rund 29 Prozent zugenommen hat.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges haben den Materialeinsatz nicht wesentlich erhöht. Das Marien Hospitals hat im Vergleich zu anderen Häusern eine niedrigen Materialaufwandsquote und kann offenbar von den Einkaufsvorteile der St. Bonifatius Hospitalgesellschaft profitieren. Der Rückgang im Jahr 2023 ist wiederum dem Rumpfgeschäftsjahr geschuldet. Zudem können die durch das Schutzschirmverfahren eingeleiteten Kostensenkungen eine Wirkung entfalten haben.

Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses

Zur Ermittlung des Jahresüberschusses wird der erwirtschaftete Gesamtertrag dem Gesamtaufwand gegenübergestellt.

Das Marien Hospital hat bis zum Jahr 2023 ausschließlich in der Verlustzone gearbeitet. Mit einem Jahresfehlbetrag von rund 4 Mio. € wurde im Jahr 2022 das bislang schwächste Ergebnis verzeichnet. Erst im Jahr 2024 trat eine deutlich Verbesserung der Ertragslage ein.

Das Betriebsergebnis stellte einen wesentlichen Treiber dieser Entwicklung dar.

Da die Aufwendungen, insbesondere für das Personal, stärker gestiegen sind als die Umsatzerlöse, konnte das Marien Hospital mit Ausnahme des Jahres 2019 keinen Betriebsgewinn erzielen. Das Schutzschirmverfahren hat jedoch zu einer Verringerung des Betriebsverlustes im Jahr 2023 geführt. Im Jahr 2024 setzte sich diese positive Entwicklung fort. Mit einem Betriebsgewinn von 1,4 Mio. € wurde in diesem Jahr das beste Ergebnis innerhalb des betrachteten Zeitraums verzeichnet.

Entwicklung des Rentabilitäten

Die Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses spiegelt sich zunächst in der betrieblichen Umsatzrendite wider. Diese Kennzahl setzt das Betriebsergebnis ins Verhältnis zum Umsatz eines Krankenhauses und dient somit als Indikator für die betriebswirtschaftliche Effizienz.

Die betriebliche Umsatzrendite des Marien Hospitals war bis auf die Ausnahme des Jahres 2019 stets negativ. Die Sanierungsmaßnahmen des Schutzschirmverfahrens haben jedoch zu einer Verbesserung geführt, die sich im Jahr 2024 fortsetzte.

Die Eigenkapitalrentabilität setzt den Jahresüberschuss in Verhältnis zum Eigenkapital. Diese Kennzahl misst die Verzinsung des investierten Eigenkapitals.

Die Werte der Eigenkapitalrentabilität des Marien Hospitals waren in den Jahren 2018 bis 2022 deutlich negativ. Die Gründe sind in den Jahresfehlbeträgen zu suchen, die in diesem Zeitraum realisiert worden sind. Die Sanierungsmaßnahmen des Schutzschirmverfahrens haben ab dem Jahr 2023 jedoch zu einer Verbesserung geführt. Im 2024 konnte erstmals ein positive Verzinsung des eingesetzten Eigenkapitals erreicht werden.

Entwicklung des wirtschaftlichen Eigenkapitals

Das wirtschaftliche Eigenkapital besteht neben dem bilanziellen Eigenkapital anteilig aus dem Sonderposten aus Zuwendungen zur Finanzierung des Sachanlagevermögens. Dieser spiegelt die öffentlichen Mittel wider, die Krankenhäusern zur Vornahme von Investitionen gewährt werden. Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote ergibt sich aus dem Verhältnis des wirtschaftlichen Eigenkapitals zur Bilanzsumme.

Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote des Marien Hospitals lag in den Jahren 20218 bis 2022 deutlich unter der der Idealquote von 30 Prozent. Erst durch die Maßnahmen, die während des Schutzschirmverfahrens eingeleitet worden sind, konnte ab dem Jahr 2023 eine deutliche Verbesserung der Eigenkapitalbasis erzielt werden.

Entwicklung der Liquidität

Die Zahlungsfähigkeit soll anhand der Liquidität 3. Grades beurteilt werden. Diese Kennzahl zeigt, inwieweit ein Krankenhaus seine kurzfristigen Verbindlichkeiten mit dem gesamten Umlaufvermögen decken kann. Grundsätzlich sollte die Liquidität 3. Grades einen Wert von mindestens 100 % erreichen, um eine ausreichende Zahlungsfähigkeit sicherzustellen.

Die Liquidität 3. Grades unterlag innerhalb des Berichtzeitraums deutlichen Schwankungen. Sie blieb jedoch stets über dem Referenzwert.

Ausblick

Der Insolvenzrisikowert misst das Risiko, dass ein Krankenhaus in den nächsten zwei Jahren in die Insolvenz geht. In die Berechnung des Insolvenzrisikowertes fließen Rendite-, Liquiditäts- und Stabilitätskennzahlen ein. Ein Risikowert unter 2 kennzeichnet eine hohe Insolvenzgefahr, eine akute Gefährdung der Einrichtung. Bei einem Score zwischen 2 und 3 ist das Krankenhaus zwar nicht akut insolvenzgefährdet, jedoch von finanziellen Schwierigkeiten bedroht. Ein Score über 3 kennzeichnet ein finanziell solides Krankenhaus.

Das Insolvenzrisiko des Marien Hospitals war in den Zeitraum 2018 bis 2022 durchgehend hoch. Erst durch den Abschluss des Schutzschirmverfahrens trat ab dem Jahr 2023 eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage ein. Dennoch müssen weitere Maßnahmen zur Stärkung der Ertragskraft eingeleitet werden.

Werbeanzeigen

Quellen

Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2023): Niedersächsischer Krankenhausplan 2023.

Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2024): Planbettenübersicht 2024.

Marien Hospital Papenburg Aschendorf gGmbH (2018): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2018 bis zum 31.12. 2018.

Marien Hospital Papenburg Aschendorf gGmbH (2019): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2019 bis zum 31.12. 2019.

Marien Hospital Papenburg Aschendorf gGmbH (2020): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2020 bis zum 31.12. 2020.

Marien Hospital Papenburg Aschendorf gGmbH (2021): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2021 bis zum 31.12. 2021.

Marien Hospital Papenburg Aschendorf gGmbH (2022): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2020 bis zum 31.12. 2022.

Marien Hospital Papenburg Aschendorf gGmbH (2023): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.05. 2023 bis zum 31.12. 2023.

Marien Hospital Papenburg Aschendorf gGmbH (2024): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.05. 2024 bis zum 31.12. 2024.

Verfasser

Erstellt von Prof. Dr. Stefan Razik / Alle Rechte beim Verfasser

Haben Sie Fragen zum Report oder benötigen Sie weitere Infos? Melden Sie sich einfach beim Verfasser

Letzte Aktualisierung 29.07.2026

Disclaimer

Die auf diesem Blog bereitgestellten Inhalte dienen ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Sie stellen keine Anlageberatung, Finanzberatung, Steuerberatung oder sonstige professionelle Beratung dar. Alle Analysen, Einschätzungen und Meinungen spiegeln die persönliche Meinung des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wider und können sich ohne Ankündigung ändern.

Der Report wurde auf der Basis wissenschaftlicher Qualitätskriterien erstellt. Der Autor übernimmt keine vollumfassende Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität der bereitgestellten Informationen. Der Autor haftet nicht für Verluste oder Schäden, die direkt oder indirekt aus der Nutzung oder dem Vertrauen auf die Inhalte dieses Blogs entstehen.

Werbeanzeigen
Werbeanzeigen

Kommentar verfassen