Krankenhaus-Finanzreport Niedersachsen: Nordwest-Krankenhaus Sanderbusch & St. Johannes-Hospital

  1. Die Krankenhäuser
  2. Trägerstruktur und Datenbasis
  3. Strategische Ausrichtung
  4. Betten
  5. Beschäftigte
  6. Entwicklung der stationären Fallzahlen
  7. Entwicklung des Case-Mix-Indexes
  8. Entwicklung des Gesamtumsatzes
  9. Entwicklung des Gesamtaufwands
  10. Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses
  11. Entwicklung der Rentabilitäten
  12. Entwicklung des wirtschaftlichen Eigenkapitals
  13. Entwicklung der Liquidität
  14. Ausblick
  15. Quellen
  16. Verfasser
  17. Disclaimer

Die Krankenhäuser

Das Nordwest-Krankenhaus Sanderbusch ist kommunales Krankenhaus der Regelversorgung mit Sitz in Sande.

Das Krankenhaus verfügt über ein Leistungsangebot in den folgenden medizinischen Fachabteilungen:

Medizinische FachabteilungAnzahl der Betten
Chirurgie70
Innere Medizin133
Neuro-Chirurgie47
Neurologie70
Orthopädie75

Das St. Johannes-Hospital ist ein kommunales Krankenhaus der Grundversorgung mit Sitz in Varel.

Das Krankenhaus verfügt über ein Leistungsangebot in den folgenden medizinischen Fachabteilungen:

Medizinische FachabteilungAnzahl der Betten
Chirurgie1
Frauenheilkunde und Geburtshilfe24
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Trägerstruktur und Datenbasis

Das Nordwest-Krankenhaus Sanderbusch und das St. Johannes-Hospital werden von der Friesland-Kliniken gGmbH betrieben, die sich vollständig im Besitz des Landkreises Friesland befindet.

Die Jahresabschlüsse und die Lageberichte der Friesland-Kliniken gGmbH sind im elektronischen Unternehmensregister für die Jahre von 2018 bis 2024 einsehbar. Es liegen daher nur eingeschränkt Daten zur Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der einzelnen Kliniken vor.

Strategische Ausrichtung

Die Friesland-Kliniken gGmbH entstand im Jahr 2016 ursprünglich als Holding für die damals noch rechtlich eigenständigen Krankenhäuser in Sande und Varel. Im Jahr 2020 wurden die Nordwest-Krankenhaus Sanderbusch gGmbH und die St. Johannes-Hospital gGmbH auf die Friesland-Kliniken gGmbH verschmolzen.

Die Friesland-Kliniken gGmbH verfolgt das Ziel, die medizinische Versorgung der Bevölkerung im Landkreis Friesland auf einem hohen Leistungsniveau langfristig zu sichern. Neben den beiden Krankenhäusern in Sande und Varel betreibt sie ein Alten- und Pflegeheim sowie mehrere Medizinische Versorgungszentren.

Vor dem Hintergrund veränderter gesetzlicher Rahmenbedingungen in der Krankenhausversorgung hat die Friesland-Kliniken gGmbH ihre bisherige Strategie mit zwei Klinikstandorten neu ausgerichtet. Das St. Johannes-Hospital soll bis auf die Ausnahme der Frauenklinik in ein ambulantes Operationszentrum umgewandelt werden. Ein Teil der bislang vorgehaltenen Bettenkapazitäten wird an das Nordwest-Krankenhaus Sanderbusch verlagert. Darüber hinaus wurden umfassende Sanierungsmaßnahmen zur Stabilisierung und nachhaltigen Sicherung der Gesellschaft eingeleitet.

Im Jahr 2024 beschlossen die Stadt Wilhelmshaven und der Landkreis Friesland die Fusion der Klinikum Wilhelmshaven gGmbH mit der Friesland Kliniken gGmbH. Die Umsetzung dieses Vorhabens befindet sich derzeit noch in Planung und wird aller Wahrscheinlichkeit nach zu einer Neubewertung der bisherigen strategischen Ausrichtung der Friesland-Kliniken gGmbH führen.

Betten

Das Nordwest-Krankenhaus Sanderbusch verfügte in den Jahren 2018-2023 über 355 Betten. Im Jahr 2024 wurde die Anzahl der Betten auf 395 aufgestockt.

Das St. Johannes-Hospital hielt in dem Zeitraum von 2018 bis 2023 im Mittel 153 Betten vor. Im Jahr 2024 hat sich die Zahl der Betten aufgrund der strategischen Neuausrichtung auf 25 reduziert.

Die Gesamtbettenzahl der Friesland-Kliniken gGmbH betrug im Berichtszeitraum im Durchschnitt 496.

Beschäftigte

Die Friesland-Kliniken gGmbH gibt nicht die Anzahl der Beschäftigten, sondern die Zahl der Vollkräfte (VK) an. Diese ist im Nordwest-Krankenhaus Sanderbusch, im St. Johannes-Hospital sowie in den weiteren Einrichtungen von rund 950 im Jahr 2018 um etwa 12 Prozent auf 1.065 im Jahr 2023 gestiegen. Aufgrund des Bettenabbaus am Standort Varel ist die Anzahl der VK im Jahr 2024 auf 951 gesunken.

Entwicklung der stationären Fallzahlen

Vor der Corona-Pandemie war die Zahl der stationären Aufnahmen in den Kliniken der Friesland Kliniken gGmbH leicht im Wachstum begriffen.

Im Jahr 2020, dem ersten Jahr der COVID-19-Pandemie, verringerte sich die Zahl der stationären Fälle um rund 14 Prozent. Nach einem Anstieg um 8 Prozent im Jahr 2021 sank die Zahl der stationären Aufnahmen im Jahr 2022 wieder leicht um 4 Prozent. Im Jahr 2023 blieb die Zahl der stationären Behandlungen nahezu unverändert. Im Jahr 2024 führte der deutliche Abbau von Bettenkapazitäten zu einem erneuten Rückgang der stationären Fallzahlen um 16 Prozent.

Entwicklung des Case-Mix-Indexes

Die Angaben zum Case-Mix-Index (CMI) beziehen sich auf beide Kliniken. Der Case-Mix-Index (CMI) lag vor der DRG-Neugestaltung bei einem Wert von 1,08 im Jahr 2018 und 1,05 im Jahr 2019. Nach der DRG-Umstellung und dem pandemiebedingten Patientenrückgang hat sich der CMI in den Jahren 2020 und 2021 reduziert und betrug 0,88 bzw. 0,86. Das Jahr 2022 war mit einem Anstieg des CMI auf 0,88 verbunden. Im Jahr 2023 fiel der CMI auf 0,83. Das Jahr 2024 war mit einem Anstieg des CMI auf 0,860 verbunden.

Entwicklung des Gesamtumsatzes

Der Gesamtumsatz der Friesland-Kliniken gGmbH setzt sich größtenteils aus den Erlösen für Krankenhausleistungen auf Basis von DRG-Fallpauschalen zusammen. Die Erlöse aus ambulanten Leistungen des Krankenhauses sowie die Erlöse aus den Wahlleistungen und das Nutzungsentgelt der Ärzte haben eine eher untergeordnete Bedeutung. Ebenso wie die Entgelte, die in dem Alten- und Pflegeheim realisiert wurden.

Der Gesamtumsatz stieg von 118 Mio. € im Jahr 2018 um rund 20  Prozent auf insgesamt 143 Mio. € im Jahr 2023. Bemerkenswert ist, dass sich der pandemiebedingte Rückgang der Fallzahlen nicht in der Umsatzentwicklung widerspiegelte. Dies ist vor allem auf staatliche Zuschüsse zur Kompensation der Folgen der Corona-Pandemie zurückzuführen. Zudem wurde der Landesbasisfallwert im Berichtszeitraum mehrfach angehoben. Im Jahr 2024 ist der Gesamtumsatz um etwa 7 Prozent gesunken. Ursache hierfür sind die rückläufigen Patientenzahlen aufgrund des Bettenabbaus am Standort Varel.

Entwicklung des Gesamtaufwands

Der Gesamtaufwand der Friesland-Kliniken gGmbH ist von 140 Mio. € im Jahr 2018 um 19 Prozent auf 166 Mio. € im Jahr 2024 angestiegen.

Der Personalaufwand stellt einen der wesentlichen Kostenfaktoren dar. Bedingt durch einen Anstieg der Beschäftigtenzahl – insbesondere bis zum Jahr 2023 – sowie durch gestiegene Tarifentgelte erhöhte sich der Personalaufwand von 77 Mio. € im Jahr 2018 um rund 28 Prozent auf 98 Mio. € im Jahr 2024. Durch den Stellenabbau im Jahr 2024 konnte der Kostenanstieg jedoch teilweise gebremst werden.

Ein maßgeblicher Treiber des Anstiegs des Gesamtaufwands war auch der Materialaufwand, der in dem Zeitraum von 2018 bis 2023 um rund 21 Prozent zugenommen hat.

Die Folgen der COVID-19-Pandemie sowie des Ukrainekriegs wirkten sich deutlich auf die Entwicklung der Materialkosten aus. Zusätzlich trug der verstärkte Einsatz von Honorarkräften zur Erhöhung des Materialaufwands bei. Im Jahr 2024 gingen die Materialkosten infolge der gesunkenen Fallzahlen jedoch leicht um 4 Prozent zurück.

Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses

Zur Ermittlung des Jahresüberschusses wird der erwirtschaftete Gesamtertrag dem Gesamtaufwand gegenübergestellt.

Die Friesland-Kliniken gGmbH konnte im Berichtszeitraum keine Gewinne erzielen. Sowohl das Nordwest-Krankenhaus Sanderbusch als auch das St. Johannes-Hospital arbeiteten defizitär. Zwar zeigte sich im Jahr 2023 eine leichte Verbesserung, jedoch verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage im Jahr 2024 trotz Ertragszuschüsse deutlich. Mit einem Verlust von rund 17 Mio. € wurde das bislang schwächste Ergebnis verzeichnet.

Das Betriebsergebnis stellte einen wesentlichen Treiber dieser Entwicklung dar und verlief weitgehend parallel zum Jahresergebnis. Aufgrund anhaltend steigender Material- und Personalkosten gelang es der Friesland-Kliniken gGmbH bis einschließlich 2022 nicht, ein positives operatives Ergebnis zu erzielen. Erst im Jahr 2023 zeigte sich infolge eingeleiteter Sanierungsmaßnahmen eine leichte Verbesserung. Im Jahr 2024 wurde im Zuge der Umstrukturierungen jedoch ein deutlicher Betriebsverlust verzeichnet.

Entwicklung der Rentabilitäten

Die Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses spiegelt sich zunächst in der betrieblichen Umsatzrendite wider. Diese Kennzahl setzt das Betriebsergebnis ins Verhältnis zum Umsatz eines Krankenhauses und dient somit als Indikator für die betriebswirtschaftliche Effizienz.

Analog zur Entwicklung des Betriebsergebnisses zeigte sich auch bei der betrieblichen Umsatzrendite mit Ausnahme des Jahres 2023 ein negativer Verlauf. Mit rund – 12 Prozent wurde im Jahr 2024 der schlechteste Wert des gesamten Analysezeitraums erreicht.

Die Eigenkapitalrentabilität setzt den Jahresüberschuss in Verhältnis zum Eigenkapital. Diese Kennzahl misst die Verzinsung des investierten Eigenkapitals.

Die Friesland-Kliniken gGmbH wies in dem Zeitraum von 2018 bis und 2024 durchgehend eine negative Verzinsung des eingesetzten Eigenkapitals aus. Diese Entwicklung spiegelt die negative Entwicklung des Jahresüberschusses wider. Im Geschäftsjahr 2024 kam es aufgrund der eingeleiteten Umstrukturierung zu einer deutlichen Verschlechterung. Mit – 212 Prozent wurde in diesem Jahr der schlechteste Wert des Analysezeitraums erreicht.

Entwicklung des wirtschaftlichen Eigenkapitals

Das wirtschaftliche Eigenkapital besteht neben dem bilanziellen Eigenkapital anteilig aus dem Sonderposten aus Zuwendungen zur Finanzierung des Sachanlagevermögens. Dieser spiegelt die öffentlichen Mittel wider, die Krankenhäusern zur Vornahme von Investitionen gewährt werden. Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote ergibt sich aus dem Verhältnis des wirtschaftlichen Eigenkapitals zur Bilanzsumme.

Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote sank zunächst infolge der verschlechterten Ertragslage von 28 % im Jahr 2018 um 15 Prozentpunkte auf 13 % im Jahr 2021. Ab dem Jahr 2022 verbesserte sich die Eigenkapitalausstattung aufgrund von Einzahlungen in die Kapitalrücklage. Im Jahr 2024 kam es infolge einer erneuten Verschlechterung der Ertragslage zu einem deutlichen Rückgang um 17 Prozentpunkte.

Entwicklung der Liquidität

Die Zahlungsfähigkeit soll anhand der Liquidität 3. Grades beurteilt werden. Diese Kennzahl zeigt, inwieweit ein Krankenhaus seine kurzfristigen Verbindlichkeiten mit dem gesamten Umlaufvermögen decken kann. Grundsätzlich sollte die Liquidität 3. Grades einen Wert von mindestens 100 % erreichen, um eine ausreichende Zahlungsfähigkeit sicherzustellen.

Die Liquidität 3. Grades hat sich in den Jahren in den Jahren 2018 bis 2021 nur leicht verändert. Für das Jahr 2022 ist ein deutlicher Einbruch zu verzeichnen. Die Sanierungsmaßnahmen der Jahres 2023 und 2024 gingen mit einer Verbesserung der Liquidität einher.

Ausblick

Der Insolvenzrisikowert misst das Risiko, dass ein Krankenhaus in den nächsten zwei Jahren in die Insolvenz geht. In die Berechnung des Insolvenzrisikowertes fließen Rendite-, Liquiditäts- und Stabilitätskennzahlen ein. Ein Risikowert unter 2 kennzeichnet eine hohe Insolvenzgefahr, eine akute Gefährdung der Einrichtung. Bei einem Score zwischen 2 und 3 ist das Krankenhaus zwar nicht akut insolvenzgefährdet, jedoch von finanziellen Schwierigkeiten bedroht. Ein Score über 3 kennzeichnet ein finanziell solides Krankenhaus.

Das Insolvenzrisiko der Friesland-Kliniken gGmbH war im gesamten Berichtszeitraum durchgehend hoch. Die bereits eingeleiteten Maßnahmen zur Stärkung des Eigenkapitals und der Liquidität sowie zur Verbesserung der Ertragskraft sind daher konsequent fortzuführen und zu intensivieren. Welchen Beitrag die geplante Fusion mit dem Klinikum Wilhelmshaven leisten wird, bleibt abzuwarten.

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Quellen

Friesland-Kliniken gGmbH (2018): Konzernabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2018 bis zum 31.12. 2018.

Friesland-Kliniken gGmbH (2019): Konzernabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2019 bis zum 31.12. 2019.

Friesland-Kliniken gGmbH (2020): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2020 bis zum 31.12. 2020.

Friesland-Kliniken gGmbH (2021): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2021 bis zum 31.12. 2021.

Friesland-Kliniken gGmbH (2022): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2022 bis zum 31.12. 2022.

Friesland-Kliniken gGmbH (2023): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2023 bis zum 31.12. 2023.

Friesland-Kliniken gGmbH (2024): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2024 bis zum 31.12. 2024.

Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2023): Niedersächsischer Krankenhausplan 2023.

Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2024): Planbettenübersicht 2024.

Verfasser

Erstellt von Prof. Dr. Stefan Razik

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Letzte Aktualisierung am 04.05.2026

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