- Die Krankenhäuser
- Trägerstruktur und Datenbasis
- Strategisches Ausrichtung
- Betten
- Beschäftigte
- Entwicklung der stationären Fallzahlen
- Entwicklung des Case-Mix-Indexes
- Entwicklung des Gesamtumsatzes
- Entwicklung des Gesamtaufwands
- Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses
- Entwicklung der Rentabilitäten
- Entwicklung des wirtschaftlichen Eigenkapitals
- Entwicklung der Liquidität
- Ausblick
- Quellen
- Verfasser
- Disclaimer
Die Krankenhäuser
Das Klinikum Leer ist ein kommunales Krankenhaus der Schwerpunktversorgung.

Das Krankenhaus verfügt über ein Leistungsangebot in den folgenden medizinischen Fachabteilungen:
| Medizinische Fachabteilung | Anzahl der Betten |
| Augenheilkunde | 1 |
| Chirurgie | 83 |
| Frauenheilkunde und Geburtshilfe | 26 |
| Innere Medizin | 170 |
| Kinder- und Jugendmedizin | 32 |
| Psychosomatische Medizin und Psychotherapie | 48 |
Das Krankenhaus Rheiderland ist ein kommunales Krankenhaus der Grundversorgung mit Sitz in Weener.

Die Klinik wurde mit dem folgenden Leistungsspektrum in die Krankenhausplanung der Landes Niedersachsen aufgenommen:
| Medizinische Fachabteilung | Anzahl der Betten |
| Chirurgie | 30 |
| Innere Medizin | 30 |
Trägerstruktur und Datenbasis
Das Klinikum Leer und das Krankenhaus Rheiderland wurden in den Krankenhausplan des Landes Niedersachsen aufgenommen. Beide Häuser besitzen jedoch keine eigene Rechtspersönlichkeit. Rechtlicher Träger dieser Kliniken ist die Klinikum Leer gGmbH, die sich vollständig im Besitz des Landkreises Leer befindet.
Die Jahresabschlüsse und die Lageberichte der Klinikum Leer gGmbH sind im elektronischen Unternehmensregister für die Jahre von 2018 bis 2024 einsehbar. Es liegen daher nur eingeschränkt Daten zur Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der einzelnen Kliniken vor.
Strategisches Ausrichtung
Die Klinikum Leer gGmbH versteht sich als zentraler Gesundheitsdienstleister für die Region Leer. Sie betreibt nicht nur die beiden Klinikstandorte in Leer und Weener, sondern hat auch die Betriebsführung des Inselkrankenhauses Borkum übernommen. Zusätzlich hält die Klinikum Leer gGmbH Beteiligungen an einem Medizinischen Versorgungszentrum sowie an einer Servicegesellschaft.
Die Klinikum Leer gGmbH hat in den vergangenen Jahren umfassende Maßnahmen zum Ausbau des medizinischen Leistungsangebots und zur Stärkung der baulichen Infrastruktur umgesetzt.
Betten
Die Zahl der Betten im Klinikum Leer hat sich von 335 Jahr 2018 auf 360 im Jahr 2024 erhöht. Hiervon waren circa 13 % für die psychosomatische Versorgung vorgesehen. Das Krankenhaus Rheiderland hielt in dem gleichen Zeitraum 60 Betten vor. Die Gesamtbettenzahl betrug im Berichtszeitraum im Mittel 422.
Beschäftigte
Für beide Krankenhäuser wird nicht die Anzahl der Beschäftigten, sondern die Zahl der Vollkräfte (VK) angegeben. Die Zahl der VK ist von rund 591 im Jahr 2018 um rund 31 Prozent auf 773 im Jahr 2024 gewachsen.
Entwicklung der stationären Fallzahlen
Vor der Corona-Pandemie war die Zahl der stationären Aufnahmen in den Jahren 2018 und 2019 leicht im Wachstum begriffen.

Im Jahr 2020, dem ersten Jahr der COVID-19-Pandemie, verringerte sich die Zahl der stationären Fälle um rund 10 Prozent. Im Folgejahr 2021 war ein Anstieg der stationären Aufnahmen um etwa 12 Prozent zu verzeichnen. Ab dem Jahr 2022 setzte ein Abwärtstrend bei den stationären Fallzahlen ein. Bis zum Jahr 2024 sank die Zahl der stationären Aufnahmen um rund 4 Prozent.
Die bisher höchste Zahl der stationären Aufnahmen – 19.046 Patienten im Jahr 2019 – konnte nicht wieder erreicht werden.
Entwicklung des Case-Mix-Indexes
Die Klinikum Leer gGmbH hat keine Daten zur Enntwicklung des Case-Mix-Indexes veröffentlicht.
Entwicklung des Gesamtumsatzes
Der Gesamtumsatz der Klinikum Leer gGmbH setzt sich größtenteils aus Erlösen aus Krankenhausleistungen zusammen. Erlöse aus ambulanten Leistungen, Wahlleistungen sowie das Nutzungsentgelt der Ärzte spielen hingegen eine eher untergeordnete Rolle.
Der Gesamtumsatz der Klinikum Leer gGmbH stieg von 74 Mio. € im Jahr 2018 um rund 36 Prozent auf insgesamt 101 Mio. € im Jahr 2024.

Bemerkenswert ist, dass sich der pandemiebedingte Rückgang der Fallzahlen nicht in der Umsatzentwicklung widerspiegelte. Dies ist vor allem auf staatliche Zuschüsse zur Kompensation der Folgen der Corona-Pandemie zurückzuführen. Zudem wurde der Landesbasisfallwert im Berichtszeitraum mehrfach angehoben.
Entwicklung des Gesamtaufwands
Der Gesamtaufwand der Klinikum Leer gGmbH ist von 75 Mio. € im Jahr 2018 um 44 Prozent auf 108 Mio. € im Jahr 2024 angestiegen.

Der Personalaufwand stellt einen der wesentlichen Kostenfaktoren dar. Bedingt durch einen Anstieg der Beschäftigtenzahl und durch höhere Tarif-Entgelte ist der Personalaufwand von 44 Mio. € im Jahr 2018 um rund 61 Prozent auf 71 Mio. € im Jahr 2024 angewachsen.

Ein maßgeblicher Treiber des Anstiegs des Gesamtaufwands war auch der Materialaufwand, der in dem Zeitraum von 2018 bis 2024 um rund 32 Prozent zugenommen hat.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges haben den Materialeinsatz deutlich erhöht.
Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses
Zur Ermittlung des Jahresüberschusses wird der erwirtschaftete Gesamtertrag dem Gesamtaufwand gegenübergestellt.

Die Klinikum Leer gGmbH ist in den Jahren 2018 bis 2023 nicht in die Verlustzone geraten. Der Jahresüberschuss unterlag zwar erheblichen Schwankungen, war jedoch durchgehend positiv.

Die Klinikum Leer gGmbH hat im gesamten Berichtszeitraum durchgehend Gewinne erzielt, jedoch mit teils erheblichen Schwankungen. Mit einem Jahresüberschuss von 7 Mio. € wurde im Jahr 2020 das beste Ergebnis des betrachteten Zeitraums erreicht. Im Jahr 2024 kam es hingegen zu einem deutlichen Gewinneinbruch von über 80 Prozent.

Das Betriebsergebnis war ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung. Der Klinikum Leer gGmbH gelang es trotz steigender Personal- und Materialaufwendungen, ein positives Betriebsergebnis zu erwirtschaften. Maßgeblich hierfür waren zum einen Sonderzahlungen zur Abmilderung der Folgen der Corona-Pandemie, die insbesondere das Betriebsergebnis im Jahr 2020 deutlich beeinflussten. Zum anderen gingen die stationären Behandlungszahlen an den Standorten Leer und Weener deutlich weniger stark zurück als in vielen anderen Kliniken. Zudem zeichnet sich die Klinikum Leer gGmbH durch einen vergleichsweise effizienten Materialeinsatz aus. Erst im Jahr 2024 kam es zu einem deutlichen Einbruch im operativen Ergebnis. Es gelang der Klinikum Leer gGmbH nicht mehr, den erheblichen Kostenanstieg im Personal- und Materialbereich vollständig zu kompensieren.

Entwicklung der Rentabilitäten
Die Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses spiegelt sich zunächst in der betrieblichen Umsatzrendite wider. Diese Kennzahl setzt das Betriebsergebnis ins Verhältnis zum Umsatz eines Krankenhauses und dient somit als Indikator für die betriebswirtschaftliche Effizienz.

Analog zur Entwicklung des Betriebsergebnisses verlief auch die betriebliche Umsatzrendite schwankend, blieb jedoch durchgehend im positiven Bereich. Mit 9 Prozent wurde im Jahr 2020 der Höchstwert des gesamten Analysezeitraums erreicht. Durch den deutlichen Anstieg der Material- und Personalkosten fiel die betriebliche Umsatzrendite im Jahr 2024 im 4 Prozentpunkte
Die Eigenkapitalrentabilität setzt den Jahresüberschuss in Verhältnis zum Eigenkapital. Diese Kennzahl misst die Verzinsung des investierten Eigenkapitals.

Die Eigenkapitalrentabilität zeigt im Analysezeitraum von 2018 bis 2024 einen schwankenden Verlauf, bleibt jedoch durchgehend auf positivem Niveau. Nach einem Rückgang von rund 9 Prozent im Jahr 2018 auf etwa 7 Prozent im Jahr 2019 stieg die Rentabilität 2020 deutlich an und erreichte mit über 11 Prozent ihren Höchstwert. Im Folgejahr 2021 kam es zu einem markanten Einbruch auf etwa 5 Prozent bevor sich die Kennzahl 2022 und 2023 wieder erholte. 2024 ist eine deutlicher Rückgang auf rund 1 Prozent zu verzeichnen. Diese Entwicklung spiegelt die erhebliche Verschlechterung der Ertragslage wider.
Entwicklung des wirtschaftlichen Eigenkapitals
Das wirtschaftliche Eigenkapital besteht neben dem bilanziellen Eigenkapital anteilig aus dem Sonderposten aus Zuwendungen zur Finanzierung des Sachanlagevermögens. Dieser spiegelt die öffentlichen Mittel wider, die Krankenhäusern zur Vornahme von Investitionen gewährt werden. Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote ergibt sich aus dem Verhältnis des wirtschaftlichen Eigenkapitals zur Bilanzsumme.

Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote hat sich aufgrund der stabilen Ertragslage von 45 Prozent im Jahr 2018 um 11 Prozentpunkte auf 56 Prozent im Jahr 2024 erhöht. Die Quote lag innerhalb des betrachteten Zeitrahmens stets deutlich über dem Idealwert von 30%.
Entwicklung der Liquidität
Die Zahlungsfähigkeit soll anhand der Liquidität 3. Grades beurteilt werden. Diese Kennzahl zeigt, inwieweit ein Krankenhaus seine kurzfristigen Verbindlichkeiten mit dem gesamten Umlaufvermögen decken kann. Grundsätzlich sollte die Liquidität 3. Grades einen Wert von mindestens 100 Prozent erreichen, um eine ausreichende Zahlungsfähigkeit sicherzustellen.

Die Liquidität 3. Grades unterlag im Berichtszeitraum stetigen Schwankungen, sie bliebt jedoch deutlich über den geforderten Mindestwert.
Ausblick
Der Insolvenzrisikowert misst das Risiko, dass ein Krankenhaus in den nächsten zwei Jahren in die Insolvenz geht. In die Berechnung des Insolvenzrisikowertes fließen Rendite-, Liquiditäts- und Stabilitätskennzahlen ein. Ein Risikowert unter 2 kennzeichnet eine hohe Insolvenzgefahr, eine akute Gefährdung der Einrichtung. Bei einem Score zwischen 2 und 3 ist das Krankenhaus zwar nicht akut insolvenzgefährdet, jedoch von finanziellen Schwierigkeiten bedroht. Ein Score über 3 kennzeichnet ein finanziell solides Krankenhaus.

Die Klinikum Leer gGmbH verfügt über eine sehr solide Eigenkapital- und Liquiditätsausstattung und weist daher derzeit lediglich ein moderates Insolvenzrisiko auf. Dem Rückgang der Ertragskraft sollte jedoch gezielt entgegengewirkt werden, um einem möglichen Anstieg des Insolvenzrisikos vorzubeugen.
Quellen
Klinikum Leer gGmbH (2018): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2018 bis zum 31.12. 2018.
Klinikum Leer gGmbH (2019): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2019 bis zum 31.12. 2019.
Klinikum Leer gGmbH (2020): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2020 bis zum 31.12. 2020.
Klinikum Leer gGmbH (2021): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2021 bis zum 31.12. 2021.
Klinikum Leer gGmbH (2022): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2022 bis zum 31.12. 2022.
Klinikum Leer gGmbH (2023): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2023 bis zum 31.12. 2023.
Klinikum Leer gGmbH (2024): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2024 bis zum 31.12. 2024.
Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2023): Niedersächsischer Krankenhausplan 2023.
Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2024): Planbettenübersicht 2024.
Verfasser
Erstellt von Prof. Dr. Stefan Razik. Alle Rechte beim Verfasser.
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Letzte Aktualisierung am 07.05.2026
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