Krankenhaus-Finanzreport Niedersachsen St. Bernhard-Hospital, Brake

  1. Das Krankenhaus
  2. Trägerstruktur und Datenbasis
  3. Strategische Ausrichtung
  4. Beschäftigte
  5. Entwicklung der Fallzahlen
  6. Entwicklung des Case-Mix-Indexes
  7. Entwicklung des Gesamtumsatzes
  8. Entwicklung des Gesamtaufwands
  9. Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses
  10. Entwicklung der Rentabilitäten
  11. Entwicklung des wirtschaftlichen Eigenkapitals
  12. Entwicklung der Liquidität
  13. Ausblick
  14. Quellen
  15. Verfasser
  16. Disclaimer

Das Krankenhaus

Das St. Bernhard-Hospital in Brake ist kirchliches Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung.

Das Krankenhaus verfügt über ein Leistungsangebot in den folgenden Fachabteilungen:

Medizinische FachabteilungBetten
Augenheilkunde1
Chirurgie40
Hals-Nasen-Ohren-Heilkunden2
Innere Medizin60

Trägerstruktur und Datenbasis

Rechtlicher Träger des St. Bernhard-Hospitals ist die St. Bernhard-Hospital gemeinnützige GmbH. Diese Gesellschaft ist im Mehrheitsbesitz der Stiftung St. Bernhard-Hospital. Für diese Gesellschaft liegen im elektronischen Unternehmensregister Jahresabschlüsse für die Jahre 2019, 2021, 2022 und 2023 vor.

Strategische Ausrichtung

Zentrales Ziel des St. Bernhard-Hospitals ist es, die flächendeckende und wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung im Landkreis Wesermarsch mit qualitativ hochwertigen und zeitgemäßen Gesundheitsdienstleistungen nachhaltig zu sichern. Um dieses Ziel auch im Hinblick auf die bevorstehende Krankenhausreform zukünftig gewährleisten zu können, wurde eine deutliche Erweiterung der Bettenkapazitäten geplant. Das Projekt umfasste Investitionen in Höhe von 53,5 Mio. € und soll bis zum Jahr 2030 abgeschlossen sein. Aufgrund deutlicher wirtschaftlicher Probleme wurde dieses Vorhaben jedoch gestoppt. Auch die Fortführung des Krankenhaus-betriebes ist fraglich.

Beschäftigte

Die Zahl der Mitarbeitenden im St. Bernhard-Hospital ist von 283 im Jahr 2019 um 4 Prozent auf 294 im Jahr 2023 angestiegen

Entwicklung der Fallzahlen

Vor der Corona-Pandemie wurden im Jahr 2019 6.129 Patientinnen und Patienten stationär aufgenommen.

Im Jahr 2020, dem ersten Pandemiejahr, sank die Zahl der DRG-Fälle um rund 9 Prozent. Im Jahr 2021 fielen die stationären Fallzahlen um weitere 11,5 Prozent. Im Jahr 2022 nahmen die stationären Aufnahmen deutlich um 14 Prozent zu. Das Vorkrisenniveau wurde jedoch noch nicht erreicht. Im Jahr 2023 brach die Zahl der stationären Aufnahmen erneut um 12 Prozent ein.

Entwicklung des Case-Mix-Indexes

Das St. Bernhard-Hospital veröffentlicht keine Daten zum Case-Mix-Index (CMI).

Entwicklung des Gesamtumsatzes

Der Gesamtumsatz des St. Bernhard-Hospitals setzt sich größtenteils aus den Erlösen für Krankenhausleistungen auf Basis von DRG-Fallpauschalen zusammen. Die Erlöse aus ambulanten Leistungen des Krankenhauses sowie die Erlöse aus den Wahlleistungen und das Nutzungsentgelt der Ärzte haben eine eher untergeordnete Bedeutung.

Der Gesamtumsatz des St. Bernhard-Hospitals stieg von 26 Mio. € im Jahr 2019 um rund 18 Prozent auf 31 Mio. € im Jahr 2022. Bemerkenswert ist, dass sich der pandemiebedingte Rückgang der Fallzahlen nicht in der Umsatzentwicklung widerspiegelt. Dies ist vor allem auf staatliche Zuschüsse zur Kompensation der Folgen der Corona-Pandemie zurückzuführen. Zudem ist der Landesbasisfallwert gestiegen. Im Jahr 2023 ist der Gesamtumsatz um etwa 15 Prozent gesunken. Ursache hierfür sind die rückläufigen Patientenzahlen.

Entwicklung des Gesamtaufwands

Der Gesamtaufwand des St. Bernhard-Hospitals ist von 26 Mio. € im Jahr 2019 um rund 29 Prozent auf 34 Mio. € im Jahr 2023 angestiegen.

Einer der wesentlichen Kostenfaktoren ist der Personalaufwand. Diese ist von 16 Mio. € im Jahr 2019 um rund 13 Prozent auf 18 Mio. € im Jahr 2022 gestiegen.

Es sind weniger die nur leicht gestiegenen Mitarbeiterzahlen, sondern die höheren Tarif-Entgelte, die das Wachstum des Personalaufwands beeinflusst haben.

Ein weiterer wesentlicher Treiber des Gesamtaufwands war der Materialaufwand, der im Zeitraum 2019 bis 2023 um 36 Prozent zugenommen hat.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges haben den Materialeinsatz sehr deutlich erhöht.

Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses

Zur Ermittlung des Jahresüberschusses wird der erwirtschaftete Gesamtertrag dem Gesamtaufwand gegenübergestellt.

Der Jahresüberschuss entwickelte sich zunächst deutlich positiv und stieg im Jahr 2021 auf 432 TEUR. Ab dem Jahr 2022 kam es jedoch zu einem deutlichen Gewinnrückgang. Mit einem Jahresfehlbetrag von etwa 2.658 TEUR wurde das schlechteste Ergebnis im betrachteten Zeitraum erzielt.

Haupttreiber dieser Entwicklung war das Betriebsergebnis. Dieses fiel im Jahr 2019 positiv aus. Das Wachstum des Betriebsergebnisses in den Jahren 2020 und 2021 ist auf pandemiebedingte Sonderzahlungen zurückzuführen. Ab dem Jahr 2022 brach der Betriebsergebnis hingegen sehr deutlich ein; im Jahr 2023 wurde ein Betriebsverlust von 2.610 TEUR erzielt. Wesentlich dazu beigetragen haben die stark gestiegenen Personal- und Materialaufwendungen.

Entwicklung der Rentabilitäten

Die Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses spiegelt sich zunächst in der betrieblichen Umsatzrendite wider. Diese Kennzahl setzt das Betriebsergebnis ins Verhältnis zum Umsatz und dient somit als Indikator für die betriebswirtschaftliche Effizienz.

Die betriebliche Umsatzrendite zeigte bis zum Jahr 2022 positive Werte und erreichte 2020 mit 1,91 Prozent den Höchststand im Betrachtungszeitraum. Ab dem Jahr 2022 sank die betriebliche Umsatzrendite deutlich. Mit -9,86 Prozent wurde 2023 der schlechtste Wert erzielt. Diese Entwicklung spiegelt die Verschlechterung des Betriebsergebnisses wider, die insbesondere auf erheblich gestiegene Material- und Personalkosten zurückzuführen ist.

Die Eigenkapitalrentabilität setzt den Jahresüberschuss in Verhältnis zum Eigenkapital. Diese Kennzahl misst die Verzinsung des investierten Eigenkapitals.

Die erzielten Verzinsung des Eigenkapitals in den Jahren 2019-2021 ist mehr als zufriedenstellend. Mit einer Eigenkapitalrentabilität von 11,65 Prozent wurde im Jahr 2020 der Höchststand erreicht. Dieses außergewöhnliche Ergebnis ist im Wesentlichen auf pandemiebedingte Sondereffekte zurückzuführen. Ab dem Jahr 2021 sank die Rentabilität jedoch sehr deutlich. Eine negative Verzinsung des Eigenkapitals von 88 Prozent im Jahr 2023 verdeutlicht das Ausmaß der wirtschaftlichen Verschlechterung.

Entwicklung des wirtschaftlichen Eigenkapitals

Das wirtschaftliche Eigenkapital besteht neben dem bilanziellen Eigenkapital anteilig aus dem Sonderposten aus Zuwendungen zur Finanzierung des Sachanlagevermögens. Dieser spiegelt die öffentlichen Mittel wider, die Krankenhäusern zur Vornahme von Investitionen gewährt werden. Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote ergibt sich aus dem Verhältnis des wirtschaftlichen Eigenkapitals zur Bilanzsumme.

Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote des St. Bernhard-Hospitals hat sich in dem Zeitraum von 2019 bis 2022 um 14 Prozentpunkte vermindert. Maßgeblich beeinflusst wurde diese Entwicklung dadurch, dass im letzten Berichtsjahr deutliche Verluste realisiert worden sind. Ein Quote 23 Prozent kann nicht als zufriedenstellend angesehen werden.

Entwicklung der Liquidität

Die Zahlungsfähigkeit des St. Bernhard-Hospitals soll anhand der Liquidität 3. Grades beurteilt werden. Diese Kennzahl zeigt, inwieweit ein Krankenhaus seine kurzfristigen Verbindlichkeiten mit dem gesamten Umlaufvermögen decken kann. Grundsätzlich sollte die Liquidität 3. Grades einen Wert von mindestens 100 Prozent erreichen, um eine ausreichende Zahlungsfähigkeit sicherzustellen.

Die Liquidität 3. Grades lag in dem Zeitraum von 2019 bis 2022 stets über 100 Prozent und damit über dem Mindestniveau. Im Jahr 2019 betrug der Wert rund 130 Prozent und erreichte 2020 mit knapp 160 Prozent den Höchststand. 2021 kam es zu einem deutlichen Rückgang auf ca. 110 Prozent, bevor sich die Liquidität 2022 wieder auf rund 139 Prozent erholte. Im Jahr 2023 fiel der Liquidität deutlich um 31 Prozentpunkte und lag mit 98 Prozent dicht an der Mindestgrenze.

Ausblick

Der Insolvenzrisikowert misst das Risiko, dass ein Krankenhaus in den nächsten zwei Jahren in die Insolvenz geht. In die Berechnung des Insolvenzrisikowertes fließen Rendite-, Liquiditäts- und Stabilitätskennzahlen ein. Ein Risikowert unter 2 kennzeichnet eine hohe Insolvenzgefahr, eine akute Gefährdung der Einrichtung. Bei einem Score zwischen 2 und 3 ist das Krankenhaus zwar nicht akut insolvenzgefährdet, jedoch von finanziellen Schwierigkeiten bedroht. Ein Score über 3 kennzeichnet ein finanziell solides Krankenhaus.

Das Insolvenzrisiko des St. Bernhard-Hospitals hat sich von 2019 bis 2021 vermindert. 2021 markiert das Jahr mit den besten Insolvenzrisikowert. Ab dem Jahr 2022 verschlechtert sich die Situation jedoch wieder, sodass das Insolvenzrisiko wieder deutlich hohen Bereich liegt. Bei den Gesellschaftern der St. Bernhard-Hospital gemeinnützige GmbH ist jedoch die Erkennntnis gewachsen, dass weitere Maßnahmen zur Sanierung der Gesellschaft nicht erfolgreich sein werden. Das St. Bernhard-Hospital soll seinen Betrieb zum Herbst des Jahres 2026 einstellen.

Quellen

Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2023): Niedersächsischer Krankenhausplan 2023.

Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2024): Planbettenübersicht 2024.

St. Bernhard-Hospital gGmbH (2019): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2019 bis zum 31.12. 2019.

St. Bernhard-Hospital gGmbH (2020): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2020 bis zum 31.12. 2020.

St. Bernhard-Hospital gGmbH (2021): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2021 bis zum 31.12. 2021.

St. Bernhard-Hospital gGmbH (2022): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2022 bis zum 31.12. 2022.

St. Bernhard-Hospital gGmbH (2023): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2023 bis zum 31.12. 2023.

Verfasser

Erstellt von Prof. Dr. Stefan Razik / Alle Rechte beim Verfasser

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Letzte Aktualisierung am 31.07.2026

Disclaimer

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