Das Krankenhaus
Das Krankenhaus Marienstift ist ein kirchliches Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung in Braunschweig.

Die Einrichtung verfügt über ein Leistungsangebot in den folgenden Fachabteilungen:
| Medizinische Fachabteilung | Anzahl Betten |
| Chirurgie | 33 |
| Frauenheilkunde und Geburtshilfe | 22 |
| Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde | 7 |
| Innere Medizin | 85 |
Trägerstruktur und Datenbasis
Rechtlicher Träger des Krankenhauses ist die Krankenhaus Marienstift gGmbH. Diese Gesellschaft befindet sich mehrheitlich im Besitz der Evangelischen Stiftung Neuerkerode.
Im elektronischen Unternehmensregister sind die Jahresabschlüsse der Krankenhaus Marienstift gGmbH für die Jahre 2018 bis 2024 hinterlegt.
Strategische Ausrichtung
Das Krankenhaus Marienstift versteht sich als wohnortnaher Anbieter für die stationäre und ambulante Versorgung in Braunschweig. Es verbindet ein breites medizinisches Leistungsangebot mit ausgewählten Spezialisierungen und einer persönlichen Betreuung. Besondere Schwerpunkte liegen unter anderem in der Handchirurgie und in der Versorgung von Menschen mit Schwerbehinderung.
Für die Zukunft strebt das Krankenhaus an, seine Rolle in der Akut- und Notfallversorgung weiter zu stärken. Hierzu wurden bereits umfangreiche Investitionen in die bauliche Infrastruktur getätigt. Weitere Bauprojekte sind geplant. Darüber hinaus beabsichtigt das Krankenhaus Marienstift, die Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitseinrichtungen in Braunschweig und der umliegenden Region auszubauen, um die regionale Vernetzung und die Abstimmung der Patientenversorgung weiter zu verbessern.
Betten
Das Krankenhaus Marienstift verfügte in dem Zeitraum von 2018 bis 2024 im Durchschnitt über 147 vollstationäre Betten.
Beschäftigte
Die Zahl der Mitarbeitenden im Krankenhaus Marienstift ist von 236 im Jahr 2018 um rund 55 Prozent auf 365 im Jahr 2024 angestiegen. Im Durchschnitt waren 274 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.
Entwicklung der stationären Fallzahlen
Vor der Corona-Pandemie war die Zahl der stationären Behandlungsfälle zunächst gestiegen. Mit insgesamt 9.855 Patientinnen und Patienten wurde im Jahr 2018 die bislang höchste Zahl stationärer Aufnahmen erreicht. Im Jahr 2020 führte die Corona-Pandemie zu einem Rückgang der stationären Fallzahlen um rund 8 Prozent. Nach einer nahezu unveränderten Entwicklung im Jahr 2021 stieg die Zahl der stationären Behandlungen in den Jahren 2022 und 2023 leicht um jeweils rund 1 Prozent. Im Jahr 2024 ging die Zahl der stationären Behandlungen hingegen deutlich um rund 6 Prozent zurück. Dieser Rückgang lässt sich durch die Einführung der Hybrid-DRG-Vergütung erklären, die einen höheren Umfang an ambulanten Eingriffen möglich macht.

Entwicklung des Case-Mix-Indexes
Der Case-Mix-Indes (CMI) lag im vor der DRG-Neugestaltung in den Jahren 2018 und 2019 im Mittel bei 0,732. Nach der DRG-Umstellung und dem pandemiebedingten Patientenrückgang hat sich der CMI im Jahr 2020 reduziert und betrug 0,568. In den Folgejahren hat sich der CMI nur unwesentlich verändert und betrug im Durchschnitt 0,553.
Entwicklung des Gesamtumsatzes
Der Gesamtumsatz des Krankenhauses Marienstift setzt sich größtenteils aus den Erlösen aus Krankenhausleistungen zusammen. Die Erlöse aus ambulanten Leistungen des Krankenhauses sowie die Erlöse aus den Wahlleistungen und das Nutzungsentgelt der Ärzte haben eine eher untergeordnete Bedeutung.

Der Gesamtumsatz stieg von 29 Mio. € im Jahr 2018 um rund 73 Prozent auf 50 Mio. € im Jahr 2024. Bemerkenswert ist, dass sich der Rückgang der Fallzahlen nicht in der Umsatzentwicklung widerspiegelte. Dies ist vor allem auf staatliche Zuschüsse zur Kompensation der Folgen der Corona-Pandemie zurückzuführen. Zudem wurde der Landesbasisfallwert im Berichtszeitraum mehrfach angehoben. Ebenso gestiegene Erlöse aus den ambulanten Behandlungen zu beachten.
Entwicklung des Gesamtaufwands
Der Gesamtaufwand des Krankenhauses Marienstift ist von 30 Mio. € im Jahr 2018 um rund 68 Prozent auf 51 Mio. € im Jahr 2024.

Der Personalaufwand stellt einen der wesentlichen Kostenfaktoren dar. Bedingt durch den Anstieg der Beschäftigtenzahl und durch höhere Tarif-Entgelte ist der Personalaufwand von 17 Mio. € im Jahr 2018 um rund 82 Prozent auf 32 Mio. € im Jahr 2024 angewachsen.

Ein wesentlicher Treiber des Anstiegs des Gesamtaufwands war der Materialaufwand, der im Zeitraum von 2018 bis 2024 um 29 Prozent zunahm. Als Gründe sind die höheren Beschaffungskosten zu vermuten.

Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses
Zur Ermittlung des Jahresüberschusses wird der erwirtschaftete Gesamtertrag dem Gesamtaufwand gegenüberstellt.

Der Jahresüberschuss des Krankenhauses Marienstift entwickelte sich im betrachteten Zeitraum volatil und verdeutlicht die erheblichen Schwankungen der wirtschaftlichen Lage. Bereits in den Jahren vor der Corona-Pandemie verzeichnete das Krankenhaus Jahresfehlbeträge von durchschnittlich 871 TEUR, was auf eine bereits vor der Pandemie bestehende wirtschaftliche Belastung hindeutet.

Im Pandemiejahr 2020 verbesserte sich die Ertragslage deutlich. Durch staatliche Sonderzahlungen konnte ein Jahresüberschuss von rund 200 TEUR erzielt werden, der das beste Jahresergebnis im gesamten Betrachtungszeitraum darstellt. Diese positive Entwicklung erwies sich jedoch als nicht nachhaltig. Bereits ab dem Jahr 2021 verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation erneut. Bis zum Jahr 2023 nahm die Ergebnisentwicklung einen deutlich negativen Verlauf. Mit einem Jahresfehlbetrag von rund 1.224 TEUR wurde in diesem Jahr das schlechteste Ergebnis des Betrachtungszeitraums erzielt. Gegenüber dem positiven Ergebnis des Jahres 2020 entspricht dies einer Ergebnisverschlechterung von rund 1.424 TEUR. Im Jahr 2024 zeichnete sich hingegen eine spürbare Erholung ab.
Das Betriebsergebnis stellte einen wesentlichen Treiber dieser Entwicklung dar. In den Jahren 2018 und 2019 konnten die steigenden Material- und Personalaufwendungen nicht ausreichend durch entsprechende Erträge kompensiert werden, sodass operative Verluste entstanden. Im Geschäftsjahr 2020 führten die staatlichen Zuschüsse im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie erstmals zur Realisierung eines Betriebsgewinns. In den Folgejahren verschlechterte sich das Betriebsergebnis jedoch deutlich. Ursächlich hierfür waren insbesondere steigende Aufwendungen, rückläufige Patientenzahlen sowie der Wegfall der pandemiebedingten Unterstützungsleistungen. Im Jahr 2024 konnte schließlich durch Betriebszuschüsse der Evangelischen Stiftung Neuerkerode erneut ein Betriebsgewinn erzielt werden.

Entwicklung der betrieblichen Umsatzrendite
Die Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses spiegelt sich in der betrieblichen Umsatzrendite wider. Diese Kennzahl setzt das Betriebsergebnis ins Verhältnis zum Umsatz und dient somit als Indikator für die betriebswirtschaftliche Effizienz.

Analog zur Entwicklung des Betriebsergebnisses war die betriebliche Umsatzrendite in den Jahren 2018 und 2019 sowie erneut im Zeitraum von 2022 bis 2023 negativ. Im Jahr 2020 verbesserte sie sich infolge der staatlichen Unterstützungsleistungen deutlich. In den Folgejahren verschlechterte sich die Rendite jedoch erneut und erreichte 2023 mit −3,03 % den niedrigsten Wert im gesamten Betrachtungszeitraum. Im Jahr 2024 setzte eine Erholung ein, die auf die Betriebszuschüsse der Evangelischen Stiftung Neuerkerode zurückzuführen war.
Entwicklung des wirtschaftlichen Eigenkapitals
Das wirtschaftliche Eigenkapital besteht neben dem bilanziellen Eigenkapital anteilig aus dem Sonderposten aus Zuwendungen zur Finanzierung des Sachanlagevermögens. Dieser spiegelt die öffentlichen Mittel wider, die Krankenhäusern zur Vornahme von Investitionen gewährt werden. Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote setzt das wirtschaftliche Eigenkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme.

Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote war in dem Zeitraum von 2018 bis 2024 Schwankungen unterworfen und blieb stets unter dem Idealwert von 30 Prozent. Im Jahr 2024 führte die erfolgsneutrale Erfassung eines negativen Unterschiedsbetrags aus einem Unternehmenserwerb zu einer Erhöhung des Eigenkapitals und damit zu einer Verbesserung der Eigenkapitalquote.
Entwicklung der Liquidität
Die Zahlungsfähigkeit soll anhand der Liquidität 3. Grades beurteilt werden. Diese Kennzahl zeigt, inwieweit ein Krankenhaus seine kurzfristigen Verbindlichkeiten mit dem gesamten Umlaufvermögen decken kann. Grundsätzlich sollte die Liquidität 3. Grades einen Wert von mindestens 100 % erreichen, um eine ausreichende Zahlungsfähigkeit sicherzustellen.

Die Zahlungsfähigkeit des Krankenhaus Marienstift befindet sich trotz Schwankungen der Liquidität 3. Grades in einem insgesamt angemessenen Bereich. Die Liquidität 3. Grades lag im Durchschnitt bei 126 Prozent und damit über dem Richtwert von 100 Prozent.
Ausblick
Der Insolvenzrisikowert misst das Risiko, dass ein Krankenhaus in den nächsten zwei Jahren in die Insolvenz geht. In die Berechnung des Insolvenzrisikowertes fließen Rendite-, Liquiditäts- und Stabilitätskennzahlen ein. Ein Risikowert unter 2 kennzeichnet eine hohe Insolvenzgefahr, eine akute Gefährdung der Einrichtung. Bei einem Score zwischen 2 und 3 ist das Krankenhaus zwar nicht akut insolvenzgefährdet, jedoch von finanziellen Schwierigkeiten bedroht. Ein Score über 3 kennzeichnet ein finanziell solides Krankenhaus.

Der Insolvenzrisiko lag innerhalb des Berichtszeitraums im hohen Bereich. Einer der wesentlichen Gründe hierfür liegt in der unzufriedenstellenden Entwicklung des wirtschaftlichen Ergebnisses. Im Jahr 2024 hat sich die wirtschaftliche Lage jedoch verbessert. Dennoch müssen Daher weitere Maßnahmen zur Stärkung der Ertragskraft und des Eigenkapitals eingeleitet werden.
Quellen
Krankenhaus Marienstift gGmbH (2018): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2018 bis zum 31.12. 2018.
Krankenhaus Marienstift gGmbH (2019): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2019 bis zum 31.12. 2019.
Krankenhaus Marienstift gGmbH (2020): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2020 bis zum 31.12. 2020.
Krankenhaus Marienstift gGmbH (2021): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2021 bis zum 31.12. 2021.
Krankenhaus Marienstift gGmbH (2022): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2022 bis zum 31.12. 2022.
Krankenhaus Marienstift gGmbH (2023): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2023 bis zum 31.12. 2023.
Krankenhaus Marienstift gGmbH (2024): Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 01.01. 2024 bis zum 31.12. 2024.
Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2023): Niedersächsischer Krankenhausplan 2023.
Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Hrsg.) (2024): Planbettenübersicht 2024.
Verfasser
Erstellt von Prof. Stefan Razik / Alle Rechte beim Verfasser
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Letzte Aktualisierung 30.10.2026
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